Sonntag, 10. April 2011

F. Scott Fitzgerald



Poetry is either something that lives like fire inside you -- like music to the musician or Marxism to the Communist -- or else it is nothing, an empty, formalized bore around which pedants can endlessly drone their notes and explanations. Was kann man da sagen? well roared lion? Fitzgerald ist nicht als Dichter bekannt geworden, obgleich er immer wieder Gedichte geschrieben hat. Wenige Romanautoren schaffen diesen Spagat, gleichzeitig Romancier und Dichter zu sein. Selbst Ernest Hemingway hat es mal versucht. Mir fallen nicht so viele Schriftsteller ein, die neben ihrem Romanwerk ein großes Oeuvre von Gedichten produziert haben. Theodor Fontane natürlich. Und Thomas Hardy, der sich eigentlich als ein Dichter verstand, obgleich ihn die Öffentlichkeit nur als Romanautor wahrgenommen hat. Aber Fitzgerald nicht.

Seinem Roman The Great Gatsby (der heute vor 86 Jahren veröffentlicht wurde) hat Fitzgerald ein kleines Gedicht eines gewissen Thomas Parke D'Invilliers vorangestellt:

Then wear the gold hat, if that will move her;
If you can bounce high, bounce for her too,
Till she cry “Lover, gold-hatted, high-bouncing lover,
I must have you!”


Diesen Dichter hat Fitzgerald erfunden, er kommt als Romanfigur in seinem Roman This Side of Paradise vor. Hinter dieser Figur soll Fitzgeralds Freund John Peale Bishop stehen. Und wenn man sich ein Gedicht Fitzgeralds aus diesem Roman anschaut, dann merkt man schon eine gewisse Nähe zu Bishops Dichtung. Das ist alles sehr elegisch, klingt ein wenig nach Charles Algernon Swinburne. Zuckersüsslich. Als ob man auf ein Honigbrötchen noch löffelweise Zucker häuft. Ich fand mich gestern geradezu genial, als mir beim Lesen von Fitzgeralds Gedichten sofort die Assoziation Swinburne kam, musste dann aber feststellen, dass die kritische Literatur zu Fitzgerald auch schon darauf gekommen war. Fitzgerald soll auch wenn er betrunken war - und wann war er das nicht? - mit lauter Stimme Swinburne rezitiert haben. Und in seinem Roman The Beautiful and Damned (den er kurz vor The Great Gatsby geschrieben hatte) lässt er eine Romanfigur sagen:

"The arts are very old," said Anthony after a while. With a few glasses
the tension of his nerves relaxed and he found that he could
think again.
"Which art?"
"All of them. Poetry is dying first. It'll be absorbed into prose sooner
or later. For instance, the beautiful word, the colored and glittering
word, and the beautiful simile belong in prose now. To get attention
poetry has got to strain for the unusual word, the harsh, earthy word
that's never been beautiful before. Beauty, as the sum of several
beautiful parts, reached its apotheosis in Swinburne. It can't go any
further--except in the novel, perhaps."


Wie Fitzgerald braucht auch Anthony a few glasses, um sich akzentuieren zu können. Wenn man jung ist, hat man sehr dezidierte Ansichten, wie die Literatur sein soll. Fitzgerald ist noch sehr jung. Vielleicht ist das, was er Anthony Patch hier in den Mund legt, sein eigenes poetologisches Bekenntnis, das Ende der Lyrik. Der Beginn des Romans voller poetischer Formulierungen. Und das beherrscht Fitzgerald in The Great Gatsby meisterhaft. Am Ende des ersten Kapitel findet sich folgende Passage:

The wind had blown off, leaving a loud, bright night, with wings beating in the trees and a persistent organ sound as the full bellows of the earth blew the frogs full of life. The silhouette of a moving cat wavered across the moonlight, and turning my head to watch it, I saw that I was not alone — fifty feet away a figure had emerged from the shadow of my neighbor’s mansion and was standing with his hands in his pockets regarding the silver pepper of the stars. Something in his leisurely movements and the secure position of his feet upon the lawn suggested that it was Mr. Gatsby himself, come out to determine what share was his of our local heavens.


Das ist doch reine Poesie.

Lesen Sie auch: F. Scott Fitzgeralds Automobile, The Last Tycoon, Edward Hopper, gatsby-weiß, Sam Waterston

1 Kommentar:

  1. Wir wohnen nur 100m Luftlinie von F. Scott Fitzgeralds altem "Townhouse" entfernt und hier trifft man noch relativ oft auf seinen Namen. Es gibt sogar noch eine Bar, auf der er damals seinen Namen eingeritzt hat.
    Er war in der tat ein großer Schriftsteller.

    Grüße, le.gentleman

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