Montag, 9. April 2012

Morning has broken


Morning has broken, wer kennt diesen Song von Cat Stevens nicht? War sein größter Hit, nachdem er im Jahr davor mit ➱My Lady D'Arbanville schon einen Welterfolg hatte. Falls Sie das im Jahre 1976 in der TDF Sendung Disco (keine echte Konkurrenz für Radio Bremens ➱Beat Club) verpasst haben sollten, klicken Sie doch das dies ➱Video bei YouTube an. Und schon sind wir in die siebziger Jahre zurückversetzt, Ilja Richter und seine 70er Jahre Klamotten inklusive. Wenige wissen, dass der Text zu Morning has broken gar nicht von Cat Stevens (der jetzt Yusuf Islam heißt) ist, sondern von einer Engländerin namens Eleanor Farjeon (oben) geschrieben wurde. Zu einer alten gaelischen Melodie, war ursprünglich ein Weihnachtslied (in der Übersetzung aus dem Schottischen Child in the Manger), hieß dann Bunessan (nach dem schottischen Ort, wo es entstand) und wurde 1931 durch den Text von Eleanor Farjeon zu Morning has broken. Wurde überall gesungen, war aber nur durch Cat Stevens ein Welterfolg. Nichts an dem Cat Stevens Song ist originell, er ist nicht einmal gut gesungen. Das Klavier ist kitschig gut, zugegeben. Klingt wie Rischardkleidermann.

Warum wird ehrliche Folk Music nicht honoriert, warum wird immer die Kitschversion ein Welterfolg? Es fasziniert mich immer wieder. ➱Hayley Westenra und die Mitglieder von ➱Celtic Woman müssen schon längst Millionärinnen sein. Ich mag Volksmusik, wenn sie ehrlich daherkommt. Wenn ➱Maggie in ihrer Küche ➱I Skovens Dybe Stille Ro singt, wenn Hahn im Korb ➱Visa i backa spielen. Wenn Harry Belafonte ➱O Danny Boy, the pipes, the pipes are calling singt, dann ist das schon grenzwertig.

Mein Freund Dietmar (genannt Dommie) Dombrowski (zweiter von links auf dem Plattencover oben) hatte damals eine Band, die ➱Beda Folk hieß. Dommi hat einen großen Teil seines Lebens in Irland und Schottland verbracht, und was seine Band Anfang der siebziger Jahre spielte, war schon ziemliche echte gaelische Musik. Und eigentlich besser als Cat Stevens. Aber eben kein Kitsch. Und es ist heute nicht leicht, noch eine gut erhaltene LP von Beda Folk, I Will Go oder Beda Folk Life (aus Wolfsburg) zu finden. Natürlich habe ich noch mindestens eine, eine Cat Stevens Platte habe ich nie besessen.

Der deutsche Wikipedia Artikel reduziert das schriftstellerische Werk von Eleanor Farjeon auf Morning has broken und hat gerade mal zweieinhalb Zeilen für sie übrig, der ➱englische Artikel wird ihr dagegen sicherlich gerecht. Ein dumbing down überall. Dazu passt die Meldung, dass das ZDF die Philosophiesendung von Safranski und Sloterdijk aus dem Programm wirft und dafür Herrn ➱Precht eine Sendung spendiert.

Ich habe heute ein Gedicht von Eleanor Farjeon, das sie für ihren Freund, den walisischen Dichter Edward Thomas, geschrieben hat, der heute vor 95 Jahren in der Schlacht von Arras den Tod fand. Es gibt ein berühmteres Gedicht über ihn, geschrieben von W.H. Davies. Das ist der Mann, der die Autobiography of a Super-Tramp geschrieben hat. Das Gedicht heißt Killed in action (Edward Thomas), Sie können es ➱hier lesen. Aber ich finde Eleanor Farjeons Gedicht Easter Monday eigentlich viel schöner.

In the last letter that I had from France
You thanked me for the silver Easter egg
Which I had hidden in the box of apples
You like to munch beyond all other fruit.
You found the egg the Monday before Easter,
And said. 'I will praise Easter Monday now -
It was such a lovely morning'. Then you spoke
Of the coming battle and said, 'This is the eve.
Good-bye. And may I have a letter soon'.

That Easter Monday was a day for praise,
It was such a lovely morning. In our garden
We sowed our earliest seeds, and in the orchard
The apple-bud was ripe. It was the eve,
There are three letters that you will not get.

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