Samstag, 16. Dezember 2017

Universitätsromane


In den siebziger Jahren blühte in England ein Romangenre auf, das eigentlich so neu nicht war: der Universitätsroman. Der ungekrönte König des Genres war sicherlich David Lodge. Sein professoraler Kollege Malcolm Bradbury hätte auch gern den Thron für sich beansprucht, aber sein Roman The History Man ist nun mal lange nicht so witzig wie David Lodges Small World. Lodge hat den Universitätsroman charakterisiert als: The high ideals of the university as an institution - the pursuit of knowledge and truth are set against the actual behaviour and motivations of the people who work in them, who are only human and subject to the same ignoble desires and selfish ambitions as anybody else. The contrast is perhaps more ironic, more marked, than it would be in any other professional milieu.

Ich hatte am Anfang der achtziger Jahre eine neue Zeitschrift abonniert, die The London Review of Books hieß. Die Zeitschrift war 1979 von den Herausgebern des Times Literary Supplement gegründet worden, damals - das kann man sich gar nicht mehr vorstellen - erschien die Londoner Times für ein ganzes Jahr nicht mehr. Während des ersten halben Jahres ihrer Existenz erschien die Literaturzeitung The London Review of Books als Beilage des New York Review of Books. Den schickte mir mein Freund ➱Peter Gutkind immer aus ➱Kanada, und durch diese Beilagen war ich auf die Zeitschrift gekommen.

Im London Review of Books las ich, als der Boom der campus novel begann, eine wunderbare Rezension. In der der Verfasser sagte, dass die Universitätsromane ein etwas billiges Vergnügen seien. Jeder wisse doch, dass an der Uni nur Leute seien, die ein klein wenig bescheuert seien und mit dem wirklichen Leben nicht zurecht kämen. Es sei doch kleinlich, über die noch zu witzeln und sie in Romanen lächerlich zu machen. Nach einem halben Leben an der Uni muss ich sagen, dass der anonyme Verfasser da ein interessantes Argument vorbrachte. Ich habe übrigens Professor Malcolm Bradbury (Bild), den Verfasser von ➱The History Man, einmal kennengelernt. Er war geistreich, witzig und gebildet, und er war für einen englischen ➱Professor sehr elegant gekleidet. Also nicht so wie Michael Caine in ➱Educating Rita.

Er war auch ein klein wenig eitel und arrogant, er ließ sein Gegenüber immer wissen, dass er ein bedeutender Mann war. An seiner Uni gab es mal einen Graffito auf einer Klotür, der lautete: What is the difference between God and Professor Bradbury? Die Antwort stand natürlich dabei God is here but everywhere. Professor Bradbury is everywhere but here. Immerhin brachten seine Vortragsreisen und die ständige Abwesenheit an der University of East Anglia solche schöne Dinge hervor. Wie auch einen zweiten Graffito, der ein wenig elegisch klingt: Remote and ineffectual don, Where have you gone, where have you gone? Ich habe es damals nicht gewagt, ihn zu fragen, ob er das witzig fand.

David Lodge und seine Kollegen hatten mit ihren Romanen großen Erfolg in England. Die Welle der Universitätsromane schwappte dann auch nach Deutschland über. Ein obskurer deutscher Professor namens Dietrich Schwanitz schaffte es mit seinem Universitätsroman Der Campus im Spiegel und im Fernsehen ernstgenommen zu werden. Das Werk, das Tom Wolfes Bonfire of the Vanities ausplündert, ist aber eigentlich nur peinlich, noch peinlicher war die Verfilmung.  Da ich eben Tom Wolfe erwähnt habe, sollte ich noch hinzufügen, dass er mit I am Charlotte Simmons auch einen Roman zu dem Genre beigesteuert hat. Wenn schon, dann sollte man englische Universitätsromane lesen. Es ist sicherlich immer witzig, wenn Professoren als völlig tumb oder hilflos in Liebesdingen geschildert werden, aber der Schmäh sollte doch stilvoll daherkommen.

Und das können die Engländer besser als Herr Schwanitz. Vor allem, weil sie mit ihren Universitäten Jahrhunderte von Geschichte und Kulturgeschichte bieten können. Und ihnen ihre Universität etwas mehr bedeutet als Mensa, Fahrradständer und Photokopierer. ➱Joseph Losey hat Teile seiner ➱Verfilmung von Nicholas Mosleys Universitätsroman ➱Accident nach ➱Syon Hall verlegt, stilvoller geht es natürlich nimmer. Auch wenn sich ➱Dirk Bogarde, der stilvoll einen Universitätsprofessor spielt, bei der Aristokratie etwas deplaziert vorkommt.

Jahre vor dem Erscheinen von David Lodges Campus Trilogie hatte J.I.M. Stewart einen fünfbändigen Universitätsroman vollendet. Wir kennen den Autor unter seinem Pseudonym ➱Michael Innes, unter dem der Oxforder Literaturprofessor die besten englischen Krimis geschrieben hat. Er hat natürlich ➱hier schon einen Post. A Staircase in Surrey war kein Bestseller wie Small World, die Romane sind eher in der Tradition von C.P. Snow (dessen Roman The Masters von 1937 ein klassischer Universitätsroman ist) und Anthony Powell. So etwas verkauft sich nicht so leicht. Anthony Powell hat in diesem Blog schon zwei Posts (Tänzer und Bilder - Texte - Bilder), die mir zwar das Lob des deutschen Verlegers von Powell eingetragen haben, aber die Verkaufszahlen wahrscheinlich nicht gerade nach oben getrieben haben.

Raymond Chandler, der eine englische Public School besuchte, war übrigens von Michael Innes begeistert: In spite of several mentions by you I have only just discovered Michael Innes. I think he is quite wonderful and I am about to buy up all the books of his that are still in print. Even if the plot were rotten, it would still be a pleasure to come into contact with a whole literate mind, full of sly humor and soft chuckles. What the typical mystery addict makes of him, God knows. Very little, I imagine, but he suits me fine, and makes all the words-of-one-syllable boys sound like so many lame-brain-dead-end-kids.

Bradburys History Man stand in der Tradition eines Klassikers der campus novel, nämlich des wunderbar komischen Romans Lucky Jim von Kingsley Amis aus dem Jahre 1954. Amis hat diesen Roman seinem Freund Philip Larkin gewidmet, damals waren beide noch jung und noch nicht verbiestert rechtsradikal. Lucky Jim war der erste Roman von Kingsley Amis, der Roman ist heute noch immer ein Klassiker, der sich auch in der Liste der hundert besten Bücher des Magazins Time findet. Der Roman wird man manchmal mit dem Angry Young Men Movement in Verbindung gebracht, aber zu denen wollte Kingsley Amis nicht gehören. Das war ihm irgendwie zu prollig.

Auch Detektivromane können Universitätsromane sein. Die Herren MorseLewis und der junge Inspektor Morse sind literarische Geschöpfe des Cambridge Absolventen Colin Dexter, der wie Morse Klassische Philologie studiert hatte und eines Tages an der Uni Oxford landete. Es gab seine Romane, bevor die beiden Detectives die Lieblinge der Nation auf dem Fernsehschirm wurden. Leider haben sich die Abenteuer des Professors Gervase Fen von Edmund Crispin nicht so durchgesetzt, obgleich das auch schöne Universitätsromane mit Krimihandlung sind.

Bei der Verknüpfung von Uni und Krimi muss ein Roman genannt werden, der sicherlich auf diesem Gebiet der größte Klassiker ist: Gaudy Night von Dorothy Sayers. Nachdem die Autorin neun Krimis geschrieben hatte, wollte sie offensichtlich ausloten, was man diesem trivialen Genre noch abgewinnen könne. Und so steht dann auf der Erstausgabe: a novel not without detection. Es ist mehr als das, es hat auch etwas mit Philosophie zu tun. Und der erste feministische Detektivroman ist Gaudy Night auf jeden Fall. Und natürlich spielt das Ganze in einem College. Und Lord Peter Wimsey, den Sie schon aus dem Post Cricket kennen, ist auch dabei.

Wir mögen Morse und Lewis. Colin Dexters Romane sind Detektivromane mit ein bisschen Universität, sie sind keine echten Universitätsromane. So etwas kann man verfilmen, einen wirklichen Universitätsroman kaum. Ian Carmichael mag als Jim Dixon in der Verfilmung von Lucky Jim gerade noch durchgehen. Schwanitz' Campus ist so simpel gestrickt, dass man ihn leicht verfilmen kann, aber wer glaubt Heiner Lauterbach, dass er ein Professor sein soll? Seine schauspielerische Begabung reicht doch gerade für die Möbelwerbung.

Ein erstaunliches Phänomen beim Universitätsroman war, dass er an den Ort zurückkam, der sein Handlungsort war. Plötzlich wurden an Universitäten Seminare zum Universitätsroman angeboten, Aufsätze und Bücher erschienen. Ich könnte dazu witzige Geschichten erzählen, aber ich lasse das lieber. Einen Universitätsroman könnte ich mit links schreiben. Der Spagatprofessor, der fünf Minuten braucht, um sein Büro aufzuschließen, der käme natürlich drin vor. Und Dr Hilarius würde ich sicher auch erwähnen. Auch den Professor, dessen Ärmel sich vom Jackett löst. Oder den Professor, der eine Vorlesung über den Universitätsroman hielt, ohne einen einzigen gelesen zu haben. Manchmal finden sich in meinen Posts schon Passagen, die wie eine Arbeitsnotiz zu einem Universitätsroman wirken. Ich zitiere mal eben einen Absatz, der sich in dem Nachruf für Peter Nicolaisen findet:

Eine der kuriosesten Aufgaben von uns Hilfskräften betraf den Herrn Professor Germer, der bei seiner Berufung verlangte, dass man die leeren Bücherregale in seinem neuen Dienstzimmer mit Büchern füllte. Eigene Bücher brachte er offensichtlich nicht mit. Books do furnish a room, wie es bei Anthony Powell heißt. Schweren Herzens opferte unsere Bibliothekarin, Frau Gertrud Klein, die sogenannte studentische Ausleihbibliothek, die eigentlich aus nichts anderem als Doubletten und ausgesonderten Luschen bestand. Mein Freund Götz und ich arbeiteten tagelang daran, die vorzeigbarsten Stücke in die Regale zu sortieren. Schön nach Autoren und Jahrhunderten geordnet. Als Rudolf Germer zum ersten Mal sein neues Zimmer betrat, würdigte er unsere Arbeit keiner genaueren Betrachtung. Er sagte nur: Meine Herren, ich bin Ästhet. Ordnen Sie die Bücher bitte nach Farben! Ich habe mir immer gedacht, dass dies zwei Sätze sind, die – wären sie Thomas Bernhard oder Botho Strauß eingefallen – zur Weltliteratur hätten werden können.

Die erste seriöse deutsche Publikation zum Thema Universitätsroman war Der anglo-amerikanische Universitätsroman von Wolfgang Weiß. Das Buch erschien 1988 in der renommierten Reihe Erträge der Forschung der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft und erlebte 1994 eine überarbeitete Neuauflage. Ich kann Ihnen das Buch, das als Motto John Donnes an University is but a wildernesse, though we gather our learning there hat, sogar ➱hier zur Lektüre anbieten. Das Buch wird in dem Wikipedia Artikel zum Universitätsroman nicht erwähnt, aber den Artikel brauchen Sie gar nicht erst anzuklicken, der bringt keinen intellektuellen Zugewinn.

In der Nachfolge von Schwanitz' Campus gab es auch zahlreiche deutsche Universitätsromane. Einen sogar über mein Institut. Im Klappentext heißt es über das Werk: Eine kleine norddeutsche Universitätsstadt: Die junge Magistra Kathrin fühlt sich zu ihrem doppelt so alten Doktorvater Prof. Förster hingezogen. Die romantische Liaison wendet sich zum Unromantischen, als er seine akademische Machtstellung mit sexuellen Forderungen verknüpft. Während die Heldin ratlos zwischen Lachen und Weinen taumelt, weiß der alte Platzhirsch seinen Ruf als ehrbarer Professor geschickt zu wahren. Hier rächt sich eine Studentin, die offenbar eine Affäre mit einem Professor hatte (oder gerne gehabt hätte?) an ihrem Professor. Am Ende des Romans wird er mit einem Herzinfarkt aus einem Kieler Szenelokal getragen, während das Blaulicht von Polizei- und Krankenwagen den Alten Markt beleuchtet.

Glücklicherweise komme ich in dem Roman nicht vor, die Autorin hat auch nie ein Seminar bei mir besucht. Es ist viel Gift und viel Schmäh in dem Roman, aber er hat nichts von den Romanen von Kingsley Amis oder David Lodge an sich. Die Hamburger Morgenpost schrieb in ihrer Rezension: Der Klappentext des Lüneburger Verlages Dreidreizehn attestiert der Autorin "Sprachwitz", mit dem sie "eine Geschichte von hemmungsloser Abhängigkeit und Erotik" erzähle. In Wahrheit jedoch kommt ihre Story ähnlich dröge daher wie ein unterdurchschnittliches Uni-Seminar. Ihre Leser traktiert Bohn mit hölzernen Dialogen ("Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, daß du mit Frauen recht willfährig umgehst") und kryptischen Satzungetümen ("Berührungen mußten für sie Gegenseitigkeit haben und nicht einen einseitigen Anfall von Lust demonstrieren"). Kurse über Schriftstellerei ("Creative Writing") gehören an angelsächsischen Hochschulen zum Regelangebot. Hierzulande nicht. Eigentlich schade, denn Bohn hätte ein solcher Kurs bestimmt sehr gut getan.

Mehr kann man dazu nicht sagen. Es gibt schöne Sätze in dem Roman, der die Geschichte einer amour fou sein will: Sie hatte immer studieren wollen, und ihre Vorstellung vom wissenschaftlich-akademischen Dasein war von einer elitären Romantik [...] Welche Ironie des Schicksals, daß Kathrin sich nun in trübweißen Seminarräumen wiederfand, in denen mehr oder minder mißmutige Dozenten sich vor recht gleichgültigen Zuhörern verbreiteten, die mehr an einem „Schein“ als an geistigem Zugewinn interessiert waren. Doch letztlich ist ihre Geschichte nur platt wie das Land Schleswig-Holstein. Das Thema 'Studentin liebt Professor', diese unendliche Geschichte von hemmungsloser Abhängigkeit und Erotik, ist schon ein wenig abgegriffen. Ich war mal im Tagungszentrum Steinkimmen, mein Freund Uwe, der zuletzt hier vorkam, hatte mich mitgeschleppt. Ich war in dem Kurs Marionettenbau gelandet, schnupperte aber immer in einen Kurs hinein, der Songs der DDR hieß. Da gab es (es war Anfang der sechziger Jahre) sogar schon Systemkritisches zu hören. Einen Song habe ich nie vergessen, auf jeden Fall die letzten Zeilen des Refrains nicht. Die lauteten:

Denn sie wollt' ja immer einen von der Universität
wenn' s geht, wenn's geht

Das wurde herrlich ordinär herausgebrüllt, aber in diesen zwei Zeilen steckte mehr Potential für einen Universitätsroman als in dem ganzen Roman Magistra.

Monika Bohns Roman ist ein literarischer Rachefeldzug, den man nicht mit Literatur verwechseln sollte. Da sollte man einmal Heidi Frommanns Innerlich und außer sich: Eine Geschichte aus der Studienzeit lesen, das ist schon richtige Literatur. Ich weiß noch, dass ich mir vor Jahrzehnten bei der Lektüre einen kleinen Bleistiftstrich an der Stelle machte, wo die Autorin über die Anglisten ätzt, die immer die Photokopierer der Uni beschlagnahmen. Heidi Frommanns Buch ist bei Diogenes erschienen und erlebte mehrere Auflagen, Monika Bohns Roman erschien bei einem Lüneburger Comicsverlag und erlebte keine zweite Auflage.

Universitätsromane werden häufig von Universitätsprofessoren geschrieben. Und von Akademikern gelesen. In der Zeit des Golden Age of the Detective Novel hatte man das Gefühl, dass hier ein Genre war, das nur von Professoren für Professoren geschrieben wurde. So ähnlich wie der deutsche Philosoph Odo Marquard die Misere der Philosophie beschrieb: Philosophen [...] gleichen Sockenfabrikanten, die Socken nur für Sockenfabrikanten herstellen. Der Kreis der Autoren war klein, der Kreis der Leser auch. Die im Roman beschriebenen Colleges kannten sie alle, sie waren ja alle in Oxbridge gewesen. P.D. James, die später Baroness James of Holland Park wurde, hat in einem Vortrag eine wunderbare Anekdote zum Thema Professoren und Krimis erzählt: Dr Erik Routley, in his book 'The Puritan Pleasures of the Detective Story', tells the story of Professor Henry Robinson, principal of an Oxford theological college and one of the great Old Testament scholars of his day. Professor Robinson was very fond of detective stories and, travelling from Oxford to London for a meeting, he called at the station bookstall to find one for the journey. The professor looked at the paperbacks at the front and said, "I have read them all". The assistant, who was new to the job, directed him to the ones on the side. The professor peered at those and said, "I have read those too". The assistant then suggested that there were some at the back. The professor rummaged there, then came back and said, "I have read them all". The assistant then said, "In that case, sir, may I suggest it is high time you turned your attention to serious literature".

Mittwoch, 13. Dezember 2017

Harry - Heinrich - Henri


Heute vor 220 Jahren wurde Harry Heine in Düsseldorf im Herzogtum Berg geboren (Die Stadt Düsseldorf ist sehr schön, und wenn man in der Ferne an sie denkt und zufällig dort geboren ist, wird einem wunderlich zu Muthe. Ich bin dort geboren und es ist mir, als müsste ich gleich nach Hause gehn. Und wenn ich sage nach Hause gehn, dann meine ich die Bolkerstraße und das Haus, worin ich geboren bin). Im Herzogtum Berg wird bis 1808 der Joachim Murat herrschen. Den hat Harry gesehen, und er das das Erlebnis beschrieben. Den Napoleon hat er auch gesehen, den hat er immer bewundert. Das klingt sicher noch in seinem Gedicht von den zwei Grenadieren an, ich kann das immer noch aufsagen. Mein Opa mochte Frankreich nicht, aber dies Gedicht, das mochte er. Er rezitierte es immer wieder. Wenn er nicht am Klavier sang:

Zu Mantua in Banden
Der treue Hofer war,
In Mantua zum Tode
Führt ihn der Feinde Schar.
Es blutete der Brüder Herz,
Ganz Deutschland, ach, in Schmach und Schmerz.
Mit ihm das Land Tirol,
Mit ihm das Land Tirol.


Für Andreas Hofer hatte Heine nur Spott übrig: Von der Politik wissen sie nichts, als daß sie einen Kaiser haben, der einen weißen Rock und rote Hosen trägt; das hat ihnen der alte Ohm erzählt, der es selbst in Innsbruck gehört von dem schwarzen Sepperl, der in Wien gewesen. Als nun die Patrioten zu ihnen hinaufkletterten und ihnen beredsam vorstellten, daß sie jetzt einen Fürsten bekommen, der einen blauen Rock und weiße Hosen trage, da griffen sie zu ihren Büchsen und küßten Weib und Kind und stiegen von den Bergen hinab und ließen sich totschlagen für den weißen Rock und die lieben alten roten Hosen.

Für meinen Opa, den kaisertreuen Hauptmann des Ersten Weltkriegs, blieb der Franzose der Erbfeind. Ich glaube, das ging vielen seiner Generation so. Nicht allen: Nein, Heinrich Heine war kein 'guter' Mensch. Er war nur ein großer Mensch. — Nur...! Das schreibt ein 18-jähriger Gymnasiast in einem Schulaufsatz. Er wird wie Heine auch Schriftsteller werden. Hätt’ er gelernt was Rechtes, müsst er nicht schreiben Bücher, soll sein Onkel in Hamburg gesagt haben. Der 18-jährige Gymnasiast hat auch nichts Rechtes gelernt, er muss auch schreiben Bücher. Er heißt übrigens Thomas Mann.

Wir tun uns schwer mit Heine. Seit zwölf Jahren diskutiert man über mich in Deutschland, man lobt mich und man tadelt mich, aber immer mit Leidenschaft und unaufhörlich. Dort liebt man mich, verabscheut man mich, vergöttert man mich, beleidigt man mich, das schreibt Heine 1835. Hat sich viel verändert? Nun, es gab nach 1945 zwei Deutschlands. Das hätte Heine wohl nicht gedacht, wenn er an Deutschland in der Nacht dachte.

Jedes Deutschland brachte eine kritische Heine Gesamtausgabe heraus, und so haben wir die Düsseldorfer Heine Ausgabe (DHA) und die Heine Säkularausgabe (HSA). Aber dieser Wettkampf der Philologen interessiert eigentlich niemanden, weil jedermann die von Klaus Biegleb herausgegebene Hanser Ausgabe benutzt. Ich auch. Die HSA, die von der Klassik Stiftung Weimar und dem Centre national de la recherche scientifique in Paris herausgegeben wird, ist noch nicht ganz fertig, aber man sollte hervorheben, dass Heinrich Heine in der Zeit der beiden Deutschlands in der DDR immer mehr geschätzt wurde als im Westen. Die Bundeszentrale für politische Bildung hat hier zu dem Thema der Heine Rezeption interessante Seiten. Wir können natürlich auch noch anfügen, dass es Zeiten gab, wo Heine im Ausland berühmter war als in Deutschland. Dazu könnten wir Jorge Luis Borges zitieren:

Meine Nächte sind mit Virgil angefüllt;
so sagte ich einmal;
ich könnte aber auch gesagt haben:
mit Hölderlin und Angelus Silesius.
Heine gab mir seine Nachtigallenpracht;
Goethe die Schickung einer späten Liebe,
gelassen sowohl wie bereichernd;

Die Nachtigallenpracht mochten die Nazis nicht so sehr. Heines Name wurde aus den Lesebüchern entfernt, die Loreley zu einem Volkslied mit unbekanntem Verfasser erklärt. Als im Dezember 1988 der Senat der Düsseldorfer Universität beschloss, dass die Universität den Namen Heinrich Heine Universität Düsseldorf tragen sollte, war dem ein mehr als zwanzig Jahre langer erbitterter Streit um die Namensgebung vorausgegangen. Den Namensgeber hätte das bestimmt belustigt: Dort liebt man mich, verabscheut man mich, vergöttert man mich, beleidigt man mich.

Thomas Manns Aufsatz Heinrich Heine der 'Gute' ist eine Jugendsünde. Wie der Brief, den Heine (der Goethe einmal als Aristokratenknecht bezeichnete) zusammen mit seinen Gedichten an Goethe schickt: Ich hätte hundert Gründe Excellenz meine Gedichte zu schicken. Ich will nur einen erwähnen: Ich liebe Sie. Ich glaube das ist ein hinreichender Grund. - Meine Poetereyen, ich weiß es, haben noch wenig Werth; nur hier und da wär manches zu finden, woraus man sehen könnte was ich mahl zu geben im Stande bin. Ich war lange nicht mit mir einig über das Wesen der Poesie. Die Leute sagten mir: frage Schlegel. Der sagte mir: lese Göthe. Das hab ich ehrlich gethan, und wenn mahl etwas Rechts aus mir wird, so weiß ich wem ich es verdanke. Ich küsse die heilige Hand, die mir und dem ganzen deutschen Volke den Weg zum Himmelreich gezeigt hat, und bin Ew Excellenz gehorsamer und ergebener H. Heine.

Wie hat sich der kritische Geist, der große Ironiker dabei gefühlt, als er das schrieb? Oder ist Ich küsse die heilige Hand, die mir und dem ganzen deutschen Volke den Weg zum Himmelreich gezeigt hat schon fette Ironie? Obgleich mein Opa Heine nicht mochte, besaß er doch ein Exemplar des Romanzero. Das ich mir mopste, weil ich den Titel so geheimnisvoll fand. Das war so ähnlich wie bei Storms Aquis Submersis, auch bei Opa gemopst. Man konnte Opa oder die Eltern nicht fragen, was diese Titel bedeuteten. Lesen war etwas, mit dem man sich die eigene Welt eroberte, nicht die Welt, die einem die Erwachsenen erklären.

Heine gilt als „letzter Dichter der Romantik“ und zugleich als deren Überwinder. Das ist der erste Satz des Wikipedia Artikels zu Heinrich Heine. Das wusste er allerdings selbst: Ein geistreicher Franzose – vor einigen Jahren hätten diese Worte einen Pleonasmus gebildet – nannte mich einst einen romantique défroqué. Ich hege eine Schwäche für alles was Geist ist, und so boshaft die Benennung war, hat sie mich dennoch höchlich ergötzt. Sie ist treffend. Trotz meiner exterminatorischen Feldzüge gegen die Romantik, blieb ich doch selbst immer ein Romantiker, und ich war es in einem höhern Grade, als ich selbst ahnte. Nachdem ich dem Sinne für romantische Poesie in Deutschland die tödlichsten Schläge beigebracht, beschlich mich selbst wieder eine unendliche Sehnsucht nach der blauen Blume im Traumlande der Romantik, und ich ergriff die bezauberte Laute und sang ein Lied, worin ich mich allen holdseligen Übertreibungen, aller Mondscheintrunkenheit, allem blühenden Nachtigallenwahnsinn der einst so geliebten Weise hingab. Ich weiß, es war »das letzte freie Waldlied der Romantik«, und ich bin ihr letzter Dichter: mit mir ist die alte lyrische Schule der Deutschen geschlossen, während zugleich die neue Schule, die moderne deutsche Lyrik, von mir eröffnet ward. Diese Doppelbedeutung wird mir von den deutschen Literarhistorikern zugeschrieben.

Sie merken wahrscheinlich, dass ich über Heinrich Heine immer so weiter schreiben könnte, aber ich will mich an seinem Geburtstag doch einmal kurz fassen. Heine ist in diesem Blog immer wieder erwähnt worden, in meinem ersten Jahr als Blogger hat er hier zwei Posts bekommen. In dem Post Harry Heine findet sich die wichtigste Literatur zu dem Dichter. Und der Post Heinrich Heine handelt von dem Heine Denkmal, das zum hundertsten Geburtstag in Düsseldorf enthüllt werden sollte. Wurde nicht. Die antisemitischen und deutschnationalen Meinungen verhinderten das. Das Denkmal steht heute in der Bronx. Ob Donald Trump sich das schon mal angeguckt hat?

Die Kaiserin Elisabeth, die wir in der Version von Romy Schneider kennen, war eine Verehrerin von Heine. Sie stand auch als eine treibende Kraft hinter dem Heine Denkmal, zog jedoch unter dem Druck der Öffentlichkeit die zugesagten 50.000 Goldmark zurück. Sie hat dann den dänischen Bildhauer Ludvig Hasselriis (der die Heine Büste schuf, die in Paris auf dem Friedhof Montmartre steht) mit der Schaffung einer Marmorskulptur beauftragt. Die fand ihren Platz im Garten ihres Schlosses in Korfu. Als Wilhelm II Sissis Schloss eines Tages ihren Erben abkauft, läßt er als erstes die Marmorstatue des Schmutzfinks im deutschen Dichterwald entfernen. Schmutzfink und Nachtigallenpracht, irgendwo dazwischen ist Heinrich Heine. Auf dem Sockel der Heine Büste im Cimetière de Montmartre steht: Immerhin mich wird umgeben, Gottes Himmel dort wie hier, und als Totenlampen schweben nachts die Sterne über mir. Henri Heines letzte Worte sollen gewesen sein: Dieu me pardonnera, c'est son métier.

Auf dem Gelände der Heinrich Heine Universität gibt es heute auch eine Heine Statue. Die im letzten Jahr von der AfD zweimal geschändet wurde. Da hat sich offensichtlich nicht so viel geändert, seit die patriotischen Studenten der Universität Bonn (das ist die, die Thomas Mann den Doktortitel entziehen wird) 1887 erklärten: Seit Beginn unseres Jahrzehntes geht eine mächtige, christlich-deutsche Bewegung durch die deutsche Studentenschaft. Begeistert tritt die akademische Jugend ein für jedes vaterländische Unternehmen. (…) Aber nie und nimmer wird sie auch nur einen Pfennig opfern zu Ehren eines Heinrich Heine. Die studentische Hochschulgruppe der AfD steht da in einer schönen Tradition, das kann einen schon um den Schlaf bringen.

Montag, 11. Dezember 2017

Nationalmarsch


Heute vor dreißig Jahren wurde John Philip Sousas Stars and Stripes Forever per Gesetz zum offiziellen Nationalmarsch der Vereinigten Staaten erklärt. Zwei Jahre zuvor war er bei der Last Night of the Proms gespielt worden. Als der Marsch im Mai 1897 zum ersten Mal erklang (sie können die Originalversion hier hören), schrieb eine Zeitung: It is stirring enough to rouse the American eagle from his crag, and set him to shriek exultantly while he hurls his arrows at the aurora borealis. Sousa hat den Marsch an Bord der RMS Teutonic der White Star Line Reederei geschrieben. Die Reederei kennen Sie, die besaß auch die Titanic. Sousa hat auch einen patriotisch martialischen Text zu seinem Marsch geschrieben:

Let martial note in triumph float
And liberty extend its mighty hand
A flag appears 'mid thunderous cheers,
The banner of the Western land.
The emblem of the brave and true
Its folds protect no tyrant crew;
The red and white and starry blue
Is freedom's shield and hope.

Other nations may deem their flags the best
And cheer them with fervid elation
But the flag of the North and South and West
Is the flag of flags, the flag of Freedom's nation.

Other nations may deem their flags the best
And cheer them with fervid elation,
But the flag of the North and South and West
Is the flag of flags, the flag of Freedom's nation.

Hurrah for the flag of the free!
May it wave as our standard forever,
The gem of the land and the sea,
The banner of the right.
Let despots remember the day
When our fathers with mighty endeavor
Proclaimed as they marched to the fray
That by their might and by their right
It waves forever.

Let eagle shriek from lofty peak
The never-ending watchword of our land;
Let summer breeze waft through the trees
The echo of the chorus grand.
Sing out for liberty and light,
Sing out for freedom and the right.
Sing out for Union and its might,
O patriotic sons.

Hurrah for the flag of the free.
May it wave as our standard forever
The gem of the land and the sea,
The banner of the right.
Let despots remember the day
When our fathers with mighty endeavor
Proclaimed as they marched to the fray,
That by their might and by their right
It waves forever.

Diese Verse passten in die Zeit, heimlich bereiten die USA schon einen Krieg in Cuba vor (lesen Sie mehr dazu in dem Post Yellow Press). Ich glaube nicht, daß eine Armee ohne Musik existieren kann, hatte Robert E. Lee während des Bürgerkriegs gesagt. Jetzt wird Sousa mit seiner Band der berühmteste Musiker im Spanisch-Amerikanischen Krieg. Ich habe Stars and Stripes Forever (zu dem es hier eine interessante Seite gibt) zum ersten Mal im Sommer 1959 in Frankreich gehört, damals pfiff es jeder Franzose auf den Straßen von Amiens. Das steht schon in dem Post Stars and Stripes Forever, John Philipp Sousa ist längst in diesem Blog. In Amerika ist Stars and Stripes Forever eine Art Nationalheiligtum, in anderen Ländern nicht unbedingt. Schauen Sie sich doch mal hier eben Eirik Gjerdevik mit einem Bergener Schulorchester an, ist witzig.

Amerikaner können selten den Text zu ihrer Nationalhymne, auch Trump scheint damit Schwierigkeiten zu haben. Die Melodie des Trinklieds aus dem 18. Jahrhundert überfordert viele Stimmen, nicht nur diese Blondine. Den Text von Sousas Marsch beherrschen die wenigsten Amerikaner, die Melodie schon. Als Vladimir Horowitz amerikanischer Staatsbürger wurde, schrieb er zu Sousas Marsch eine Klaviertranskription, wir lassen sie mal von Claire Huanci spielen. Es lohnt sich, das YouTube Video anzuklicken. Wenn Sie eine einfache Klavierversion haben wollen, dann klicken Sie dies an.

Es gibt andere Texte als Let martial note in triumph float And liberty extend its mighty hand zu Sousas Marsch. Ich denke da an Wir trinken das schäumende Bier, einen Text der unvergessenen Gruppe Die 3 Besoffkis. Ich weiß, damit sind wir auf Ballermann Niveau, aber ich brauche einen Übergang zum Bier. Weil ich noch ein bedeutendes Ereignis vom 11. Dezember präsentieren möchte. Ein wirklich bedeutendes Ereignis. Denn am 11. Dezember 1905 hat König Friedrich August von Sachsen ein Dekret erlassen, wonach das Pilsener Bier der Radeberger Exportbierbrauerei jetzt das Tafelgetränk Sr Majestät sei.

Friedrich August III ist der letzte König von Sachsen. Hundert Jahre zuvor hatte sich Friedrich August I, den man den Gerechten nannte, von Napoleon zum König machen lassen. Er bekommt diesen schönen Titel, seine Untertanen dürfen 1812 an der Beresina sterben. Von dem mehr als 20.000 Mann starken sächsischen Heer überlebten nur 1.436 Mann. Musik gaukelt immer vor, dass der Krieg schön sei, ob da die blauen Dragoner mit klingendem Spiel durch das Tor reiten oder ob wir gen Engeland fahren. So einprägsam die Melodie für Märsche und Zapfenstreich sein mag, am Ende steht der Tod. Dann singen die Schweizergarden an der Beresina:

Unser Leben gleicht der Reise
eines Wandrers in die Nacht.
Jeder hat auf seinem Gleise
Vieles, das ihm Kummer macht.

Samstag, 9. Dezember 2017

Colani


Du könntest morgen statt der dicken Kapitänsjacke die dünne Kapitänsjacke anziehen, sagte mein Freund Ekke zu mir. Er hatte mich und Gudrun zum Kaffee eingeladen, und da ist ein Blazer (was er mit der dünnen Kapitänsjacke meinte) sicherlich die angemessene Kleidung. Auf jeden Fall im Bremen der frühen sechziger Jahre. Das Kleidungsstück mit dem Namen Blazer hat hier natürlich schon einen ausführlichen Post. Ich besitze einen von einer italienischen Luxusfirma. Zweireihig, Goldknöpfe, reine Handarbeit. Und das Ganze für zehn Euro bei ebay (ungetragen), da konnte ich nicht widerstehen. Ich habe den erst ein einziges Mal getragen, mit grauer Flanellhose und Schlips vom MCC (wo ich kein Mitglied bin), man fällt furchtbar damit auf. Ich gebe dem Blazer im nächsten Sommer zur Kieler Woche noch mal eine Chance, mit Jeans, weißem Hemd und Wildlederschuhen.

Ich finde, man sieht mit einem blauen Blazer mit Goldknöpfen immer etwas affig aus, aber vielleicht liegt das daran, dass ich die Marine nicht so mag. An kleinen aristokratischen Gören im 18. Jahrhundert sieht so etwas ja ganz nett aus (auf jeden Fall, wenn John Singleton Copley das malt), aber es nichts für jedermann. Das  Schlimme dabei war, dass jedermann in Deutschland vor Jahrzehnten einen Blazer tragen musste. Und da gab es noch einen Steigerung: Blazer in dunkelbraun. Weitverbreitet.

Das war sehr deutsch. Und ganz furchtbar. Die braunen Blazer waren so ein 70er Jahre Ding. Das war das Jahrzehnt, in dem es keinen guten Geschmack gab. War aber manchmal witzig. Auf jeden Fall witziger als die heutige modische Eintönigkeit: dunkelgraue slimline Anzüge und weiße U-Hemden. Kehle zeigen ist das Gebot der Stunde. Ich habe diese braune Scheußlichkeit hier aus einem bestimmten Grund abgebildet. Weil sie auch etwas mit der Royal Navy zu tun hat, aus der all die maritimen Kurzjacken kommen.

Wenn Sie mehr zu den Uniformen wissen wollen, die man gerade letzte Woche im Fernsehen in dem Film Master and Commander sehen konnte, dann kann ich Amy Millers Buch Dressed to Kill (Katalog einer Ausstellung des National Maritime Museum in Greenwich) empfehlen. Die Kuratorin des National Maritime Museum gibt eine souveräne Kostümgeschichte der Royal Navy von den Anfängen der Uniformierung der Seeoffiziere bis zum Jahre 1856. Sprich: über hundert Jahre englische Marineuniformen, denn die gibt es in Blau erst seit der Mitte des 18. Jahrhunderts. Sie waren unter Admiral Anson eingeführt worden, wurden aber nicht von allen Marineoffizieren begrüßt. Viele hätten lieber die roten Uniformen der Army gehabt.

Der Captain Richard Chadwick kannte die Uniform noch nicht. Man würde diesen eleganten Gentleman nicht unbedingt für einen Marineoffizier halten, wenn er nicht mit der linken Hand auf sein Schiff hinweisen würde. Es ist die Cornwall, ein Linienschiff mit 80 Kanonen. Chadwick wird 1748 auf seinem Schiff in den West Indies sterben. Die elegante Kleidung, die er auf diesem Portrait von 1744 trägt, hatte er sich extra für das Portrait schneidern lassen. Er wird an Bord andere Kleidung getragen haben, wir wissen nicht welche. Aber blau war sie wohl nicht.

Eine solche Uniform ist ja schön und gut, aber Kniehosen sind nicht sehr praktisch, wenn man die Wanten entern will. Wir finden diese Uniformen auf vielen Bildern des 18. Jahrhunderts, an Bord sieht das anders aus. Da tragen die Kapitäne normale Drillichhosen statt der Seidenstrümpfe und Kniehosen. Und sie tragen kurze Arbeitsjacken, wie sie die Mannschaft auch trägt. Diese Kleidung gelangt nie auf die Gemälde, aber es gibt genügend schriftliche Zeugnisse dafür. Die Admiralität wird statt der dress uniform auch eine undress uniform zulassen. Dafür gibt es heute die Number 4 Dress Uniform. Es wird einige Zeit dauern, bis sich die neuen Uniformen durchsetzen, Schiffsärzte erhalten erst 1805 eine Uniform.

Der junge Gentleman, der hier mit einem Eisbären auf einer Eisscholle kämpft, trägt keine Kniebundhosen und Seidenstrümpfe. Lediglich der Degen an seiner Seite weist ihn als Offizier aus. Er wird den Bären nicht erlegen, aber er wird noch Karriere in der Navy machen und alle Orden Englands bekommen. Bei seinem Tod auf der Victory - das versichern uns die Maler - wird er dann weiße Kniebundhosen tragen, England expects that every man will do his duty. 

Auf diesem Bild von Thomas Gainsborough ist der Admiral Edward Vernon (nach dem George Washingtons Bruder seinen Landsitz Mount Vernon nannte) auch nicht in dunkelblau, sondern in braunem Samt gekleidet. Weil die blaue Uniform für die Marine, wie gesagt, noch nicht erfunden ist. Er trug nicht immer diese Jacke, die eher ein Mantel ist. Er bevorzugte eine kurze Jacke, aus einem Stoff, den man Grogram (vom französischen Grosgrain) nennt. Was ihm den Namen Old Grog eintrug. Sie ahnen schon, dass das Getränk nach ihm benannt wurde, lesen Sie mehr dazu in dem Post Rum.

Admiral Rudolf Brommy (der hier einen Post hat), der Kommandeur der ersten deutschen Flotte von 1848, trägt hier eine blaue Uniform nach englischem Vorbild. Beinahe hätte er eine grüne Uniform tragen müssen. Denn König Friedrich Wilhelm IV favorisierte die Farbe Grün, die die Farbe der russischen Marine bis zum ersten Weltkrieg war (es war auch die Farbe der österreichischen Marine). Das gefiel nun dem Prinzen Adalbert von Preußen (der 1854 Oberbefehlshaber der preußischen Flotte werden wird) überhaupt nicht. So heißt es in dem wunderbar lobhudelnden Artikel in der ADBAuch die praktische und kleidsame dunkelblaue Farbe unserer Matrosenuniform ist des Prinzen englischen Eindrücken zu danken: das Grün der russischen Seeleute kam für die entstehende preußische Marine nie ernsthaft in Frage. Als es erst preußische Seecadetten gab, sorgte der Prinz dafür, daß sie das große Treiben der englischen Flotte kennen lernen konnten, und zwar nicht nur im Frieden, sondern auch im Kriege.

Die dicke Kapitänsjacke, von der mein Freund Ekke sprach, war streng genommen kein Blazer, sondern ein Colani. Auf jedenfall war es die italienische Version eines Colanis der Marine; die dunkelblaue Jacke stammte nicht aus dem Geschäft von Ekkes Vater (der mir immer die neuesten ➱Herrenjournale lieh), sie stammte aus dem Laden von ➱Hans Kalich in der Böttcherstraße. Von wo auch mein ➱Trenchcoat, der gelbe ➱Lamamantel von Tiger und die handgeschneiderten Anzüge stammten die schon mehrfach in diesem Blog erwähnt wurden.

Dass die Deckjacke der Marine Colani oder Collani heißt, hat einen ganz einfachen Grund, sie wurde der Reichsmarine von der Berliner Firma L.H. Berger & Collani geliefert, die sich mit der Bezeichnung Hoflieferant Sr. Majestät des Kaisers und Königs schmückte. Für die Marine unterhielt die Firma Niederlassungen in Kiel und Wilhelmshaven. Bei der Volksmarine der DDR hieß die Jacke nicht Colani sondern Kulani, ich weiß nicht weshalb.

Der Satz bei Wikipedia: In Deutschland wurde die Jacke Ende des 19. Jahrhunderts von der Kieler Schneiderei Berger & Colani für die Kaiserliche Marine gefertigt und daher auch Colani, Collani oder Kulani genannt, ist mal wieder ein klein wenig falsch. Es ist eine Berliner Firma, und sie heißt Collani, nicht Colani. Die Collanis hatten ursprünglich eine Gold- und Silbermanufaktur, die sie um die Herstellung sämmtlicher Militair-Effecten und den Verkauf von Blankwaffen erweiterten (man kann das hier auf der Militär Siegelmarke ablesen). Mit allem, was mit Uniformen zu tun hat, kann man nach dem Krieg mit Frankreich jetzt viel Geld verdienen. Um 1879 kauften sich die Collanis bei der Firma L.H. Berger ein. Der Schneiderbetrieb war Hoflieferant und belieferte das Königshaus und den preußischen Adel. Eigentlich müsste die Jacke Berger und nicht Colani heißten, die Collanis waren Kaufleute, die hatten mit der Schneiderkunst nichts am Hut.

Was wir in Deutschland Colani nennen, heißt in Frankreich Caban, im Englischen Pea Jacket, Peacoat oder Reefer. Das Bild hier zeigt einen Peacoat der US Navy. Woher das Wort Pea Jacket kommt, weiß man nicht so genau. Häufig wird das holländische Wort Pijjekker (von Pij: Kutte und Jekker: Jacke) genannt, aber seriöse Lexika versichern uns, dass das nur volksetymologisch ist. Was bedeutet, dass es überzeugend klingt, aber wohl nicht wahr ist. Wie zum Beispiel die Fisematenten, die vom französischen visitez ma tente kommen sollen. Klingt einleuchtend, ist aber leider auch nicht richtig.

Kaum ist die zweireihige kurze Jacke in der Navy eingeführt, da wandert sie schon in die zivile Herrenmode. Das Ehepaar Cecil Willett und Phillis Emily Cunnington schreibt in seinem unübertroffenen Handbook of English Costume in the Nineteenth Century: The Double-breasted: 'Reefer', 'Pea-jacket', ' Yachting Jacket' (synonymous). A very short D-B jacket with low collar and small lapels. Cut without a back seam; short vents at the bottom of side-seams. Pockets flapped, patched, or slit; often an outside pocket on the left breast and usually an inside pocket in the right. Borders bound; four pairs of buttons. This style came into fashion in 1865 even for town wear especially in winter when it was sometimes worn as an overcoat. Wir können an dem jüngeren Herrn, der uns den Rücken zuwendet, die kleinen Stummelschlitze in der Seitennaht sehen.

Viele berühmte Leute haben den Marinekurzmantel getragen. Winston Churchill zum Beispiel, wenn er nicht gerade seinen selbst entworfenen boiler suit trug, den ihm New and Lingwood geschneidert hatte. Dass hier Montgomery einen Schirm trägt, das geht für einen General nun gar nicht. Das war schon Wellington ein Ärgernis (lesen Sie mehr in dem Post Regenschirme).

Ich weiß nicht, ob Wilhelm II einen Colani besessen hat. Ich war mal in einer Ausstellung, in der man all seine ➱Uniformen sehen konnte, aber an einen Colani erinnere ich mich nicht. Er hatte ja nicht viel Intelligenz, aber viele Uniformen. Der Graf zu Eulenburg hat für die Kostümierungssucht des Kaisers den schönen Satz alle Tage Maskenball gefunden. Wenn auch Wilhelm keinen Colani hatte, dieser Herr, der gerade von Bord geht, trägt einen. ➱Dropping the Pilot hieß dieser Cartoon, den Sir John Tenniel (der ➱Alice in Wonderland illustrierte) 1890 zeichnete. Wahrscheinlich ist es der berühmteste politische Cartoon aller Zeiten.

Es gibt die Jacke auch für Damen. Spätestens seit 1962, seit Yves Saint Laurent das hier kreierte. War wahrscheinlich die passende Tracht für Paris, in meinem Heimatort sah man so etwas nicht. Ich glaube, die Gattinnen von Werftbesitzern und Reedern wären sich ungeheuer blöd damit vorgekommen. Aber je weiter man von Fluss und Meer weg ist, desto besser kann man maritime Kleidung verkaufen. Die Jacke ist bei Saint Laurent immer noch im Programm, verkauft sich aber anscheinend schlecht.

Damen, die Stil haben, kaufen natürlich nicht die Saint Laurent Jacke, sondern diese elegante Jacke von der Firma Armor Lux. Die französische Firma hat Manufactum seit Jahren im Angebot. Liefert auch gleich eine Geschichte dazu, das ist ja das Erfolgsgeheimnis von Manufactum: Aber es war doch der gelernte Buchhändler und ehemalige Grünen-Geschäftsführer in Nordrhein-Westfalen, Thomas Hoof, der die zentrale Idee erkannte, in eine gültige Form brachte und inzwischen zu einer kompletten Gegenideologie gegen die Moderne (also Globalisierung, Massenproduktion, Designwahn) ausgebaut hat. Äußerlich geht es dabei um die Vermarktung vergessener Handwerkstraditionen, hochwertiger Materialien und nostalgischer Ästhetik, aber das ist nicht der Kern der Sache. Entscheidend ist ein letzter Produktionsschritt, der erst durch den Händler selbst erfolgen kann: die Veredelung der Produkte durch Geschichten.

Man muss heute Märchen erzählen, wenn man Klamotten verkaufen will. Und so konnte man vor einem Jahr im Zeit Magazin lesen: Die ungebrochene Männlichkeit der Seefahrt drückt sich auch in der Mode aus. Denn seit Langem sind die Uniformen der Seefahrer Teil des Spiels mit männlichen Rollenbildern. Zur starken Frau gehört, modische Anleihen bei den Männern der rauen See zu machen. Zurzeit geht es auf den Laufstegen besonders maritim zu. Der neue Liebling der Designer ist der Navy-Coat, der Matrosenmantel. Es gibt ihn bei Prada als paspelierten Wollmantel, bei Tommy Hilfiger als Mantel mit Goldknöpfen sowie knöchellang und tailliert bei Red Valentino. Aber auch in ähnlicher Form bei Givenchy, Miu Miu, Burberry und John Galliano. Mir wird bei solchen Texten immer schlecht. Ich schreibe zwar häufig über Mode, aber solchen Unsinn kriege ich nicht hin.

Meinen dunkelblauen italienischen Colani, der keine Stummelschlitze, sondern einen langen Rückenschlitz hatte, habe ich zehn Jahre lang getragen. Dann habe ich ihn mit meinem ersten Regent Jackett, einem Kreidestreifen Zweireiher und einem blauen Bowler einer studentischen Theatertruppe gespendet. Ich konnte ihn immer wieder auf der Bühne bewundern, er verwandelte jeden studentischen Amateurschauspieler in einen dandyhaften Kapitän.

Mittwoch, 6. Dezember 2017

I took on the sins of everybody, of a generation, really


In dem Post Geburtstagskinder habe ich geschrieben: Searle hat die nackte Raucherin für den französischen Figaro gezeichnet, eine englische Zeitung hätte das wahrscheinlich 1955 nicht gedruckt. Die Engländer entdecken erst mit Christine Keeler, dass es so etwas wie Sex gibt. Wir können an diesem Cartoon das Selbstverständnis zweier Kulturen festmachen. Roland Barthes und Leo Spitzer haben uns gezeigt, wie man das macht. Das war das letzte Mal, dass Christine Keeler hier erwähnt wurde. Es war mir entgangen, dass sie vorgestern gestorben ist. Ich habe das vorhin gemerkt, als ich einen Blick auf die Statistik warf. Hunderte von Malen war der Post Christine Keeler angeklickt worden. Den Satz I took on the sins of everybody, of a generation, really, den hat sie wirklich gesagt. Und es ist viel Wahres an dem Satz. Ich stelle den zwei Jahre alten Christine Keeler Post (der ein kleiner Bestseller ist) hier noch einmal ein, dann brauchen Sie ihn nicht zu suchen.

Am 5. Juni 2013 hat es keine englische Zeitung versäumt, über das zu schreiben, was heute hier im Blog steht. Hätte ich auch tun können, aber ich wollte lieber etwas zum fünfzigsten Todestag des Generals ➱Carton de Wiart schreiben. Diese Geschichte heute - ein Meilenstein in der Veränderung der englischen Gesellschaft des 20. Jahrhunderts - die läuft einem nicht weg. Sie wird über die Jahre sogar immer besser, je mehr an kleinen Bruchstücken ans Licht kommt, selbst wenn die meisten Beteiligten nichts mehr dazu sagen können, weil sie schon tot sind. In dem Theaterstück Dirty Linen (hier im ➱Volltext) von Tom Stoppard hat Maddie Gotobed (ein sprechender Name wie ➱Pussy Galore bei James Bond) das letzte Wort: Finita la commedia. Aber diese Komödie ist nie zu Ende

Heute vor 52 Jahren trat der englische Kriegsminister John Profumo zurück, England hatte einen Skandal, und was für einen. Der Fall Rosemarie Nitribitt (mit ihrem ➱Mercedes 190 SL) war nichts dagegen. Last week the Upper Classes passed unquietly away, begann Malcolm Muggeridge seinen Artikel The Slow, Sure Death of the Upper Classes im Sunday Mirror vom 23. Juni 1963. Der Skandal hatte einen Namen, und das war der Name dieses unbekleideten Schnuckelchens. Hier schamhaft von einem Arne Jacobsen Stuhl verhüllt. Sie hieß Christine Keeler und strippte in einer Bar in Soho:

There was a pervasive atmosphere of sex, with beautiful young girls all over the place, but customers would always say, if asked, that they only came for the floor show and the food and drink... When we weren't onstage, we were allowed to sit out with the audience for a hostess fee of five pounds. That way I was soon making about thirty pounds a week. Mit achtzehn wurde sie John Profumo bei einer Gartenparty in Cliveden vorgestellt, von da an nahm das Verhängnis seinen Lauf. Unsere Stripperin hatte nämlich nicht nur ein Verhältnis mit dem Kriegsminister, sondern schlief auch mit dem Marineattaché der sowjetischen Botschaft und einem englischen Drogendealer.

Dass der Marineattaché auf der Gehaltsliste des russischen Geheimdienstes stand, wusste der englische Geheimdienst natürlich. Wusste es auch Macmillan und die Regierung? Die mussten sich später von Harold Wilson (der nur darauf wartete, Premierminister zu werden) vorhalten lassen, sie hätte ihre ganze Kenntnis von der Affäre aus der News of the World bezogen: If this is true this would imply that the £ 60 million spent on these services under the Right Honourable Gentleman's Premiership have been less productive in this vitally important case than the security services of the News of the World. He must tell us this (Sie können die ganze Rede ➱hier lesen). Die Frage, wozu man viel Geld für die Geheimdienste ausgibt, ist bis heute nicht beantwortet worden. Weder in England noch in Deutschland.

Der Begriff des ➱Swinging London bekam jetzt eine völlig neue Bedeutung. Und Cliveden, der riesige Herrensitz von Lord und Lady Astor, den Charles Barry (der auch das englische Parlament baute) gebaut hatte, kam wieder einmal in die Politik. Leser des schönen Romans The Remains of the Day von Kazuo Ishiguro (der auch plüschig nostalgisch ➱verfilmt wurde), wissen, dass der Roman auf den sogenannten Cliveden Set anspielt.

Jetzt macht die High Society keine Appeasement Politik, jetzt macht man Party. In ihrer Autobiographie Mandy hat ➱Mandy Rice-Davies beschrieben, wie solche Parties aussahen: The door was opened by Stephen (Ward) - naked except for his socks... All the men were naked, the women naked except for wisps of clothing like suspender belts and stockings. I recognised our host and hostess, Mariella Novotny and her husband Horace Dibbins, and unfortunately I recognised too a fair number of other faces as belonging to people so famous you could not fail to recognise them: a Harley Street gynaecologist, several politicians, including a Cabinet minister of the day, now dead, who, Stephen told us with great glee, had served dinner of roast peacock wearing nothing but a mask and a bow tie instead of a fig leaf. Das klingt jetzt ein wenig nach Juvenals Saturae. Oder hat Westerwelle das gemeint, als er von ➱spätrömischer Dekadenz redete?

Da hat einer eine schöne Frau zu Hause (die Schauspielerin Valerie Hobson) und hat den schönen Titel eines fünften Baron Profumo vom Königreich Sardinien, aber das genügt ihm nicht. Ist es das italienische Blut in ihm? Müssen wir betonen, dass profumo im Italienischen Parfüm heißt? Es sind die Kirschen in Nachbars Garten, die ja immer leckerer sind, jetzt musste es eine Achtzehnjährige aus Wraysbury sein. Einen Ruf als Weiberheld hatte er schon immer, seine Frau mochte auch seine scharfen Hosen nicht: surely there must be some way of concealing your penis. Das müsste sein Schneider in der Savile Row wohl hingekriegt haben, wenn Profumo es nur gewollt hätte.

Es war keine großartige Liebesgeschichte. Von Liebe war sowieso nie die Rede: He was a pleasant, amusing man, [but] I didn't know him that well. He was not very handsome, and too old for me. I didn't particularly like going to bed with him, but he fancied me, and he was very pushy. I was 19, and I felt obliged. He was always trying to give me money. But apart from £20 to buy a present for my mother, I wouldn't take it. It wasn't in my nature to be a whore. Prosaischer geht es kaum.

Profumo war kein Gentleman. Richard Davenport-Hines illustriert das in seinem vorzüglichen neuen Buch An English Affair: Sex, Class and Power in the Age of Profumo mit folgender Episode: Certainly, and deservedly he was rehabilitated. The Queen Mother remained his champion. At a dinner in her honour, sitting between her and a seventeen-year-old Guinness heiress, the old satyr whispered to the latter during the first course: ‘Ever been fucked by a seventy-year-old? No? You should try it.’

Aber trotz aller Affären stand Valerie Hobson zu ihm: Of course I am not leaving Jack because this ghastly thing has happened. I hope to spend the rest of my life with him and my family - the rest of my life. Die englische upper class ist um schöne Formulierungen auch in der Katastophe nie verlegen. Ich liebe diese Formulierung this ghastly thing. Christine Keeler wäre auch gerne Schauspielerin wie Valerie Hobson geworden, aber nach dem ghastly thing nahm die Schauspielergewerkschaft Equity sie nicht auf. Der Don Giovanni von 1963 sah im Jahre 2005 so aus (im Absatz darüber sehen Sie ein Jugendbild).

She is a very, very pretty girl, schrieb Sybille Bedford über Keeler. All the curves and lines are as good as they can be, the head has charm and grace, and there is a faint oriental touch about the face: the pure smoothness, the hint of high cheekbone, the slant of eyes, oh yes, no doubt that she could be devastatingly sexually attractive. Und sie fügte hinzu: But for all the sleekness, the sexiness, there is a lack of life, as if the sex were prefabricated sex, deep-freeze sex, displayed like the dish of fruit in a colour photograph. Bedfords Gerichtsreportage ist auf Deutsch unter dem Titel Jagd auf einen Lebemann: Der Prozess Dr. Ward bei Schirmer/Mosel erschienen. Heute sieht die einstige Schönheit Christine Keeler so aus wie auf diesem Photo. Brauchten wir noch eine Illustration zu dem ➱Gedicht Vergänglichkeit der Schönheit von Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau?

Als die ersten Angriffe aus der Presse kamen, fragte Profumo seine Freunde: Who's going to believe a word of this tart? Er bedrohte Christine Keeler mit allen juristischen Finessen, damit sie ihre Erinnerungen an die kurze Affäre (die der Polizei und dem Geheimdienst längst bekannt war) nicht veröffentlichte. Sie hatte ja verlockende Angebote von der Presse.

Es war das Satiremagazin Private Eye, das die erste Zusammenfassung der Gerüchte druckte. Die Beteiligten hießen da noch Mr James Montesi, Miss Gaye Funloving, Dr Spook und Vladimir Bolokhov. Sie werden wenig später andere Namen bekommen. Dann erklärt der ehemalige Brigadier General John Profumo pathetisch im Parlament: There was no impropriety whatever in my acquaintance with Miss Keeler. Kurz darauf machte der wunderbare Limerick die Runde:

There was a young girl called Christine.
Who shattered the Party machine;
It isn't too rude,
To lie in the nude
But to lie in the House is obscene.

Profumo verschwand aus der Politik. Er leistete freiwillige soziale Arbeit und schrubbte jahrelang Klos. Valerie Hobson hielt zu ihm, obgleich sie die Abendkleider und das Leben in der High Society vermisste. Christine Keeler wanderte wegen Meineid in dem Strafprozess gegen Stephen Ward (wegen Kuppelei) für neun Monate ins Gefängnis, heiratete zweimal und lebt heute allein. Ihre Autobiographien Nothing But... (1983), Scandal! (1989) und The Truth At Last (2001) waren finanziell gesehen auch nicht die Brüller.

Alles, was sie an Geld von der Presse bekommen hatte, ging für Anwälte drauf. Egal, was es ist, die verdienen immer. Vielleicht wollte die Keeler ja niemand anderer sein, als das brave Hausmütterchen in einem Londoner Vorort: The trouble is I am 21 ... I have lived in the West End of London and frequently been to parties with well-known people present. Presumably if I had been 52 and a housewife from Surbiton there would have been none of this trouble. Das Photo von dem Hausmütterchen wurde von dem Photographen Tom Blau bei einem Screen Test für einen Film gemacht.

Ich weiß nicht so ganz, ob das Photo wirklich ernst gemeint ist. Oder ist es ein ironischer Kommentar zu Richard Hamiltons Collage Just what is it that makes today's homes so different, so appealing? Das Photo hängt heute in der National Portrait Gallery. Die National Portrait Gallery besitzt zahlreiche Bilder von Christine Keeler, vielleicht ist das ein Gradmesser für ihre traurige Berühmtheit.

Für diese Zeichnung des Arztes Stephen Ward (der als Zeichner nicht unbegabt war) hat die National Portrait Gallery 1984 tausend Pfund Sterling bezahlt (dafür kriegte man damals in London schon drei Paar Edward Green Schuhe). Aber das berühmteste der Bilder bleibt natürlich das Photo von Lewis Morley, es bekam einen geradezu ikonischen Status (lesen Sie ➱hier mehr): A combination of pin-up and icon, suggestive both of sexual liberation and at the same time of the penalties of sexual exploitation, it occupies a morally ambiguous universe. It was taken in May 1963, when Christine Keeler came to Lewis Morley’s studio over the Establishment Club in Greek Street to be photographed to promote a film on the Profumo Affair.

Im Vertrag für die Aufnahmen von Lewis Morley stand damals, dass Christine Keeler nackt sein müsse, der Vertrag wurde erfüllt. Und der Stuhl von Arne Jacobsen wurde zur Freude des dänischen Designers weltberühmt, obgleich das auf dem Photo nur eine Kopie eines Jacobsen Stuhls von der englischen Firma Heal gewesen war (das Victoria und Albert Museum besitzt inzwischen auch diese Kopie). Die Firma Heal, die 1810 gegründet wurde, zählt in England mit zu den Pionieren des modernen Designs. Sie durften diesen Stuhl bauen, das war keine Raubkopie des Modells 3107, bei dem man natürlich auch bedenken muss, dass der Stuhl Charles Eames einiges verdankt.

Für Sibylle Bedford waren Keeler und Profumo auch das Vorbild für die ➱Helden der Avengers: Christine Keeler und ihr Establishment-Lover, by the way, wurden flugs zum role model für einen Klassiker der Popular Culture, in ihren ironischen und parodistischen Stilisierungen als Emma Peel und John Steed (The Avengers, bei uns Mit Schirm, Charme und Melone), wobei man Emma Peel (vor allem in ihrer Personifizierung durch Diana Rigg) gleich in Latex-Catsuits steckte, um ja keine Missverständnisse aufkommen zu lassen … aber das nur nebenbei. Ist ein netter Gedanke, allerdings gab es die Serie schon, bevor die Affäre von Keeler und Profumo bekannt wurde.

Und da ich bei der Popular Culture bin, muss ich natürlich erwähnen, dass die ganze Affäre ein Fest für die Cartoonisten war. Dieser Cartoon hier heißt Visitez L'Angleterre! Le 'Can-Can' Anglais und stammt von ➱Michael Cummings aus dem Daily ExpressThe best one I did was Keeler as a mermaid beckoning the Tory ship on to the rock with poor old Profumo's eyes popping out of his head with excitement. Being a mermaid, of course I gave her bare bosoms. The editor summoned me and stormed: 'Michael, I will remind you that this is a respectable family newspaper.' So back to the drawing board Christine went for masses of tumbling hair to hide her vital parts.

Leider habe ich von dem Cartoon mit der ➱Meerjungfrau keine Abbildung, aber den hier von Michael Cummings (The adventures of James MacBond) muss ich unbedingt noch zeigen. Der arme Macmillan wird hier verfolgt von der Vassall Affäre, der ➱Philby Affäre und von Christine Keeler. Und aus dem Grab von Peter Rachman greift noch eine Hand nach ihm. Das sind so die Augenblicke, wo ein Bild mehr als tausend Worte sagt. Dominic Sandbrook, dessen Buch Never had it so good: A History of Britain from Suez to the Beatles sehr lesenswert ist, hat diesen schönen Cartoon auch abgedruckt. Man kann häufig aus Cartoons (und aus Modezeitschriften) mehr über eine Zeit lernen als aus Geschichtsbüchern. Freunde des englischen Cartoons könnten jetzt noch ein wenig in dieser vorzüglichen englischen ➱Cartoon Datenbank surfen.

Und dann war da noch Gerald Scarfeder am Anfang seiner Karriere ➱Ronald Searle viel verdankte, dann aber seinen eigenen Stil fand (und der auch einmal einen Dokumentarfilm über ➱Hogarth drehte). Sein Cover für den Jahresband der Satirezeitschrift Private Eye sorgte dafür, dass die größten englischen Buchhandlungen das Buch boykottierten (Sie könnten den Cartoon handsigniert ➱hier kaufen). Mehr kann die Satire nicht erreichen. Auch Juvenal mit seinen Saturae nicht. Bei der Vielzahl der Stimmen aus der Popular Culture war auch die von dem Amerikaner ➱Phil Ochs, der einen Song über ➱Christine und ihre Freundin Mandy Rice-Davis schrieb:

Christine Keeler and Mandy Rice-Davies,
You're the gals for me.
Christine Keeler and Mandy Rice-Davies,
I'll keep you company.


You can have your Marilyn, your Carolyn, your Jacqueline.
Grace Kelly never meant that much to me--
Just give me:
Christine Keeler and Mandy Rice-Davies,
You're the gals for me. (I'll give you secrets.)
And you're the gals for me.

Oh, you get good defense from Robert McNamara--
Defends us all day long;
But when Lord Profumo takes off his mascara
You know he can't go wrong.

Douglas Fairbanks, jr., and Lord and Lady Astor:
Everybody's gonna lose their minds
Because of:
Christine Keeler and Mandy Rice-Davies,
Will you be mine, all mine? (I'll take your pictures.)
Will you be mine, all mine?


Hier sind die beiden auf dem Weg zum Prozess gegen Stephen Ward, dem Arzt, der Christine Keeler mit John Profumo bekannt machte. Dr Stephen Ward, den das englische Establishment zum Sündenbock erkor, hat sich kurz vor dem Ende des Prozesses vergiftet. Der Prozess ist sicherlich eine Travestie der Justiz gewesen, bei dem sich das englische Establishment an Ward rächte, man mag so etwas wie this ghastly thing nicht so gerne. Der Fall liegt übrigens nach fünfzig Jahren als mögliches Fehlurteil der Criminal Cases Review Commission vor.

Für Richard Eyre, den Regisseur des Andrew Lloyd Webber Musicals Stephen Ward ist Stephen Ward ein positiver Held: We were all supposed to react with indignation that such a thing could happen. But when I saw those photos of Mandy and Christine, what I mainly felt was envy and lust. I thought they were gorgeous. As for Stephen Ward, he was a figure like Marcello Mastroianni in 'La Dolce Vita'. He was louche and a flaneur. But I did perceive him as a scapegoat and that was not necessarily the minority view, even at the time.

Christine Keeler hat später nie wieder mit ihrer Freundin Mandy geredet. Vielleicht deshalb, weil die aus dem Ganzen als Star hervorgegangen ist, etwas, was Christine nicht geschafft hat. Ihr Urteil über ihre Freundin war nicht sehr nett: Mandy Rice-Davies was a true tart. There was always shock on her face whenever she thought she might have to do more than lie on her back to make a living.

Aber Mandy, die Vorstadtgöre, die nicht auf den Mund gefallen war - und die einmal die Geliebte des slum landlords Peter Rachman (lesen Sie ➱hier mehr) gewesen war - schaffte es sogar in das Oxford Dictionary of Quotations. Weil sie im Prozess auf die Vorhaltung, dass Lord Astor leugne, mit ihr geschlafen zu haben, trocken sagte: Well, he would, wouldn't he? Der schöne Satz hat als MRDA Eingang in den Internet Slang gefunden. Er war übrigens zuerst im Observer zu lesen, einer Zeitung, die der Familie Astor gehörte.

Mandy Rice-Davies konnte mit den Medien umgehen, amerikanische Journalisten waren von ihrem Satz Call me Lady Hamilton begeistert. 1981 spielte sie Maddie Gotobed in Tom Stoppards Dirty Linen (das Bild ist aus dieser Aufführung). Der Kritiker der Oxford Times Frank Dibb schrieb: In the pivotal role of the nubile panties-shedding secretary, Mandy Rice-Davies gives a neat, briskly projected and lively performance. Sie war auch in der Komödie No Sex Please, We’re British zu sehen. Und spielte sogar einmal die Lady Capulet in Shakespeares Romeo and Juliet.

Sie besang Platten, spielte in einem Softporno mit und machte eine Disco auf, wo sie Gäste wie ➱Michael Caine hatte. Und wurde eines Tages die Freundin von Mrs Thatcher. Das ist doch eine schöne Karriere. Maggie Thatcher hat 1995 Profumo als one of our national heroes bezeichnet und ihn auf ihrer Geburtstagsparty neben die Queen gesetzt. It's time to forget the Keeler business. Hoffentlich hat er da nicht seine scharfen Hosen angehabt.

Hier war die Welt von Dr Ward - der gerne Bordsteinschwalben (seine alley cats nennt er sie) aufsammelt, um sie wie Professor ➱Henry Higgins zu erziehen - noch in Ordnung. Hier lächelt er uns an, umgeben von seinem kleinen Harem. Die Damen sind (im Uhrzeigersinn von rechts) Christine Keeler, Penny Marshall und Mandy Rice-Davies. Es ist eine seltsame Zeit, Freizeitnutten, High Society und Politik. Lord Denning, einer der höchsten englischen Richter, wird einen siebzigtausend Wörter langen Bericht verfassen, der umgehend ein Bestseller wird.

Vier Wochen später tritt der Premierminister Harold Macmillan, der einmal gesagt hatte: I was determined that no British government should be brought down by the action of two tarts, zurück. Angeblich hat er später bereut, das gesagt zu haben. Sagt auf jeden Fall Christine Keeler: Towards the end of his life he told his daughter that his worst mistake in the whole business was calling me a tart. Als er an die Macht kam, heftete er einen Zettel an die Tür des Kabinettsraums der Downing Street: Quiet calm deliberation disentangles every knot. Klingt nach goldenen Worten eines Philosophen. Und wo kommt es her? Das glauben Sie jetzt nicht, es kommt aus einer ➱Oper von Gilbert und Sullivan, in der es um Liebesverwicklungen geht.

Profumo has behaved foolishly and indiscreetly, but not wickedly. His wife is very nice and sensible. Of course, all these people move in a raffish, theatrical, bohemian society where no one really knows anyone and everyone is "darling". But Profumo does not have seemed to realize that we have - in public life - to observe different standards from those prevalent in many circles, schreibt Macmillan in sein Tagebuch. Ein rührendes Geständnis eines Gentlemans aus einer anderen Zeit. Der hartnäckig verdrängt, dass sein Leben von der Welt der sexuellen Aberrationen nicht unberührt ist. Seine Frau, die Tochter des Herzogs von ➱Cavendish, hatte jahrzehntelang eine Affäre mit dem bisexuellen Robert Boothby. Dem der Gangster Ronnie Kray Strichjungen zuführte.

Die englische Presse war damals sehr zurückhaltend mit der Verwendung pejorativer Bezeichnungen wie tart für Keeler und Rice-Davies, good-time girls ist die Formulierung (heute heißen die alle euphemistisch model), die am häufigsten verwendet wird. Amerikanische Zeitungen verwenden manchmal das schöne alte Wort trollop. So titelte Time im Jahre 1963: Great Britain: The Time of the Trollop. Nur das englische Skandalblatt The People wurde damals deutlicher und brachte am Tag nach Stephen Wards Tod die Schlagzeile: Keeler, the shameless slut und sprach im Untertitel von an empty headed trollop, skilled only at using her body to bewitch or betray.

They were the best years of our lives. They called them the swinging sixties. The Beatles and the Rolling Stones were rulers of pop music, Carnaby Street ruled the fashion world … and me and my brother ruled London. We were fucking untouchable, schreibt der Gangster Ronnie Kray in seiner Autobiographie My Story. Hier auf dem Photo sitzt er links neben Christine Keeler. The beauty and the beast? oder wächst da zusammen, was zusammen gehört? Über den kriminellen König von Notting Hill Peter Rachman, für den Sex wie Zähneputzen war, hat Keeler gesagt: I was the toothpaste.

Niemand hat die ganze Atmosphäre des Jahres 1963 so wunderbar auf den Punkt gebracht, wie der englische Dichter Philip Larkin (der hier schon in den Posts ➱Philip Larkin und ➱Philip Larkins Rasenmäher gewürdigt wird) in seinem Gedicht Annus Mirabilis:

Sexual intercourse began
In nineteen sixty-three
(which was rather late for me) -
Between the end of the Chatterley ban
And the Beatles' first LP.

Up to then there'd only been
A sort of bargaining,
A wrangle for the ring,
A shame that started at sixteen
And spread to everything.

Then all at once the quarrel sank:
Everyone felt the same,
And every life became
A brilliant breaking of the bank,
A quite unlosable game.

So life was never better than
In nineteen sixty-three
(Though just too late for me) -
Between the end of the Chatterley ban
And the Beatles' first LP.

Das ist nicht Christine Keeler, das ist Joanne Whalley als Christine Keeler in dem englischen Film Scandal (ihre Freundin Mandy Rice-Davis wird von Bridget Fonda gespielt). Wenn Sie damals nicht wie ich ein Jahresabo vom Observer hatten und von Woche zu Woche alles verfolgten, dann sollten sie unbedingt diesen Film kaufen. Es ist ein guter Film mit einer Starbesetzung. John Hurt ist wieder einmal hervorragend. Und er fährt ein weißes Jaguar XK150 Cabrio, wie Ward es hatte (und ➱Joe Lampton in Room at the Top). Die Frauen sind schnuckelig, und ➱Britt Ekland ist auch dabei. Es ist eine Geschichtsstunde der etwas anderen Art. Finita la commedia. Freigegeben ab achtzehn.

Mandy Rice-Davis (hier noch einmal Joanne Whalley und Christine Keeler) hat das Jubiläum der Fünfzigjahrfeier noch erlebt (und genügend Interviews gegeben), sie ist im letzten Jahr gestorben. John Profumo, one of our national heroes, starb 2006, er wurde einundneunzig Jahre alt (sein riesiger ➱Landsitz steht zum Verkauf). So lebt heute wohl nur noch Christine Keeler. Die ist nicht müde geworden, ihre Geschichte zu erzählen, ihre letzte Autobiographie Secrets and Lies erschien 2012. Und wir hören ihr ➱hier einmal zu, wenn sie neben John Hurt auf dem Sofa sitzt. Ist irgendwie rührend.

Und als kleine Zugabe hätte ich heute noch den Song Where Are They Now? von den Kinks:

I'll sing a song about some people you might know
They made front pages in the news not long ago
But now they're just part of a crowd
And I wonder where they all are now.

Where have all the Swinging Londoners gone?
Ossie Clark and Mary Quant
And what of Christine Keeler,
John Stephen and Alvaro,
Where on earth did they all go?
Mr. Fish and Mr. Chow,
Yeah, I wonder where they all are now.

Where are all the Teddy Boys now?
Where are all the Teddy Boys now?
The Brill Cream boys with D.A.s,
Drainpipes and blue suedes,
Beatniks with long pullovers on,
And coffee bars and Ban the Bomb,
Yeah, where have all the Teddy Boys gone?
I hope that Arthur Seaton is alright.
I hope that Charlie Bubbles had a very pleasant flight,
And Jimmy Porter's learned to laugh and smile,
And Joe Lampton's learned to live a life of style.

Where are all the angry young men now?
Where are all the angry young men now?
Barstow and Osborne, Waterhouse and Sillitoe,
Where on earth did they all go?
And where are all the protest songs?
Yes, where have all the angry young men gone.

I wonder what became of all the Rockers and the Mods.
I hope they are making it and they've all got stead jobs,
Oh but rock and roll still lives on,
Yeah, rock and roll still lives on.

Lesen Sie auch: ➱Swinging London, ➱Notting Hill, ➱Teddy Boys, ➱Mary Quant (und Joe Lampton im Text der Kinks kommt natürlich schon in dem Post ➱Laurence Harvey vor).