Donnerstag, 26. April 2018

Kay Hoff


Stand das in der Zeitung? Habe ich das übersehen? Der Schriftsteller Kay Hoff ist am 26. März im Alter von 93 Jahren verstorben. Er war ein Autor, den ich immer geschätzt habe. Vor vielen Jahren hatte mich mein Studienkollege Willy Diercks überredet, für eine Zeitung, deren Chefredakteur er war, über Kay Hoff zu schreiben. Gab kein Honorar - those were the times - aber ich durfte zwei ganze Seiten vollschreiben. Ich glaube, der Autor hat das damals sogar gelesen. Ich würde das ja abtippen, aber ich finde das Heft aus dem Jahre 1990 leider nicht wieder. 

Es ist ein großes Verdienst des 1996 gegründeten Carl Böschen Verlags, dass er in den Jahren 2002 bis 2005 das Gesamtwerk des ein wenig in Vergessenheit geratenen Autors Kay Hoff in einer Studienausgabe wieder aufgelegt hat. Der erste Band dieser Ausgabe war der Roman ↝Bödelstedt oder Würstchen bürgerlich (↜Volltext), sein wohl bekanntestes Werk. Der Roman erschien zuerst 1966 bei Hoffmann und Campe, und obwohl er wohlwollend von der Kritik besprochen wurde, ist er heute so gut wie vergessen. Völlig zu Unrecht, wie jede erneute Lektüre beweisen wird, denn dieser Roman kann sogar leicht und locker neben Günter Grass' Blechtrommel bestehen. Bödelstedt oder Würstchen bürgerlich gehört ebenso wie ↝Rudolf Lorenzens Roman Alles andere als ein Held zu den wichtigsten Romanen der Nachkriegszeit. Auch wenn das Publikum die Romane nicht liebte. ↝Grass sowieso nicht.

In dem Roman, der mit dem Kriegsende beginnt (etwas, was Kay Hoff, der mit 18 Soldat wurde, nur zu vertraut war), greift der Autor auf die Konventionen des Romans des 18. Jahrhunderts (wie Herausgeberfiktion und Motto für jedes Kapitel) zurück, um die Geschichte des fiktiven Ortes Bödelstedt in Schleswig-Holstein und seiner Bewohner im Dritten Reich, im Krieg und bei Kriegsende, zu erzählen. Es hätte nicht Schleswig-Holstein sein müssen, Bödelstedt ist wahrscheinlich überall. Hoffs Roman ist damals von Hilde Domin in ihrer wunderbaren ↝Rezension in der Zeit in die Nähe zu Jean Paul und Thomas Mann gerückt worden. Satire und Ironie gehören zum selbstverständlichen Handwerkszeug des Autors, und vielleicht lässt sich die Zeit auch nicht anders schildern. Am Anfang des Romans steht die Geschichte vom Schäferhund Botho, den man darauf abgerichtet hat, nur zu fressen, wenn ihm Ist vom Arier! gesagt wird. Man muss den Hund leider töten, als die englischen Panzer ins Dorf rollen. Das satirische Panorama des Ortes Bödelstedt wird uns erzählt aus der Perspektive eines ewig Gestrigen, und die Unzuverlässigkeit seines Erzählens macht sicherlich auch den Reiz dieses deutschen Sittenbildes aus.

Natürlich glaube ich immer noch, ein bisschen immer noch, dass Sprache die Welt verändert, und ich glaube, dass man diese Veränderung als Schriftsteller versuchen muss, trotz aller Skepsis, trotz aller offensichtlichen Misserfolge, hat Kay Hoff einmal gesagt.  Es ist ein schöner Gedanke. Heute wird die Welt durch einen twitternden Analphabeten verändert, die Errungenschaften der Aufklärung scheinen vergessen zu sein. Tweets und sapere aude, wie geht das? Kay Hoff ist immer ein unbequemer Schrifststeller gewesen, nicht nur in Bödelstedt oder Würstchen bürgerlich.

Als Kay Hoff (zweiter von rechts) 1965 den Ernst Reuter Preis erhielt, sagte er: Mißtrauen ist notwendig. Mißtrauen und Skepsis gerade auch jenen Menschen gegenüber, die in bester Absicht bemüht sind, das allgemeine Unbehagen mit Worten zuzudecken. Wenn wir nicht aufpassen, werden die Worte sich rächen, so wie sie sich schon einmal gerächt haben. Wenn vor kurzem der Bundespräsident meinte, es sei zu bedauern, daß das Singen vaterländischer Lieder bei der jungen Generation vielfach als veraltet und überholt angesehen werde, dann erscheint mir das einfach töricht zu sein: Die längst entleerten Worte vom Vaterland – vom heiligen Vaterland! –, mit denen unsere Väter und Großväter in den ersten Weltkrieg zogen, und die gleichen Worte, die unsere Väter nach dem ersten Weltkrieg bis zum zweiten Weltkrieg hin nach altem Maß und Klang zusammenreimten, sie sagen uns heute nichts mehr, und es ist deshalb nur zu begrüßen, daß sich bei uns kaum jemand in der jungen Generation bereitfindet, die großen gestrigen Worte vom Vaterland zu sagen und zu singen – Worte, die junge Menschen nur noch als Phrasen verstehen können (hier im ↝Volltext). Das erschien damals in Berlin als Skandal, und für die AfD wäre das sicher heute noch ein Skandal.

1949 wird Kay Hoff an der Universität Kiel mit einer Dissertation über Die Wandlung des dichterischen Selbstverständnisses in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts zum Doktor der Philosophie promoviert, danach ist er erst einmal ein halbes Jahr als Hausmeister tätig. Es wird einige Zeit dauern, bis er von seinen Schriften leben und seine wachsende Familie ernähren kann. Von 1969 bis zum April 1973 ist er der Leiter des Kulturzentrums der Deutschen Botschaft in Tel Aviv, eine wichtige Zeit in seinem Leben. Und eine wichtige Zeit für die deutsch-israelischen Beziehungen. Kay Hoff hat seine literarische Karriere als Dichter begonnen. Der Band Band 9 der zehnbändigen Gesamtausgabe enthält dreihundert Gedichte aus den Jahren 1952 bis 2002, eine Auswahl, die Kay Hoff selbst vornahm. Ich kann Ihnen diese Gedichte alle ↝hier anbieten, manchmal ist das Internet wirklich für etwas gut. Und ich möchte aus der Sammlung drei Gedichte zitieren.

Das erste heißt Heinrich Immel zum Gedächtnis, Hoff hat es einem seiner Lehrer gewidmet: Mich haben meine Lehrer lange begleitet, einige haben mich verfolgt. Einer erschien als Alptraum in einer Erzählung, ein anderer wurde zur negativen Erzählerfigur eines Romans. Für einen aber habe ich ein Gedicht geschrieben, 1969, bei der Nachricht von seinem Tode, und sein Name steht über diesem Gedicht, das so etwas wie einen Dank abstatten wollte: Heinrich Immel zum Gedächtnis.

Streng, sachlich, autoritär,
ein bißchen wunderlich manchmal,
gelegentlich unfreundlich,
dazu ein Scheißliberaler,
von altem Korn: ein Lehrer, 
Geschichte, Latein. Wer
rechnet Güte dagegen auf? 
Unbelehrbar: Er paßte nicht
in die blühenden sechziger Jahre 
unseres großartigen Jahrhunderts, 
auch in die goldenen Fünfziger nicht, 
er traute dem Adenauer-Frieden 
nicht über den krummen Weg,
schon in den tausender Jahren
schien er uns alt: unbelehrbar.
Ohne ihn heulten die Wölfe.
Sein Typ war wenig gefragt.
Aber er fragte uns, immer wieder
in diesen unfreundlichen Zeiten, 
fragte streng, sachlich, wunderlich 
manchmal, unerbittlich:
Wir mußten die Antworten suchen. 
Einige fand ich erst spät,
im fünften, sechsten Jahrzehnt 
unseres unbelehrbaren Jahrhunderts. 
Die Fragen vergesse ich nicht.

Für das nächste Gedicht muss ich Sie ein wenig zurückversetzen in die Zeit als die Filme schwarz-weiß und die Frauen schöner waren. Das Gedicht heißt Film aus den frühen 50ern. Sie wissen, dass ich Ihnen  aus den 50er und 60er Jahren immer wieder Erinnerungshäppchen serviert habe, ich kann nicht anders. Falls Sie das aus irgendeinem Grund verpasst haben sollten: unten in dem Post ↝Claude Lelouch finden Sie alle wichtigen Posts zum französischen Film. Und das Gedicht von Kay Hoff ist hier:

Wieder die Limousinen, Chrom,
schleichend und unerreichbar,
die lockenden Augen wieder
in Wimpernkränzen, und die Väter
mächtig und ehrbar wie je,
strenges Schwarzweiß: Wir kamen
müde aus Kellern herauf,
tauschten uns ein gegen Maisbrot
und harschen Pflaumentabak,
der Tacho kroch mühsam auf 100,
die Kavalierstaschentücher
predigten schuldloses Weiß.
So einfach war Liebe damals.
So lachten wir niemals wieder.
Das Spiel wird nicht wiederholt.

An die Kavalierstaschentücher, die in dem Post ↝Ingeburg Thomsen auch eine Rolle spielen, kann ich mich noch erinnern. Ich trage auf diesem Photo vom ↝Abtanzball (oberste Reihe, zweiter von links) auch so ein Tüchlein. Ob die Liebe damals einfach war, das weiß ich nicht, aber wir glaubten es. Ich habe zum Schluss ein Liebesgedicht, in dem das Wort Liebe nicht vorkommt, wie der Autor gesagt. Es heißt Bescheidene Gabe:

Diesen Himmel schenke ich dir.
Er ist nicht mehr neu.
Ich hab ihn öfters gebraucht,
besonders das Blaue:
Du siehst die Spuren am Einband.
Vom Abendrot sind die Ränder
zurückgeblieben, und der Regen,
du weißt, hat einige Seiten
ganz ausgeblichen. Manchmal
war auch die Sonne zu grell,
da sind mir Blätter vergilbt,
und der Nachtsturm riß eine Seite ein,
damals, da war ich nicht bei dir.
Die Sterne haben Löcher gesengt,
ich habe nicht aufgepaßt, der Mond
hat die Wolken unachtsam verschoben,
das sind die Flecken im Dunkel.
Er ist nicht mehr neu, mein Himmel,
es ist nicht leicht, ihn zu lesen.
Aber die Ränder, die Risse, die Spuren
gehören mir, das verblichene Blau,
und ich schenke ihn dir, diesen Himmel.


Der Berliner Professor Hans Dieter Zimmermann hat am 80. Geburtstag von Kay Hoff eine schöne ↝Rede gehalten, die das Leben und das Werk des Autors würdigt. Inzwischen gibt es auch eine ↝Dissertation über Kay Hoff. Seiner Heimatstadt Neustadt hatte Hoff schon zu Lebzeiten seinen literarischen ↝Nachlass vermacht. Nachdem er so lange kaum beachtet wurde, hat er das Glück, dass beinahe alles von ihm im Internet steht. Man kann sich natürlich auch seine Bücher kaufen.

Dienstag, 24. April 2018

Plattdeutsch


Warum nicht mal wieder ein büschen Platt? Klaus Groth hat heute Geburtstag. Der Dichter, der häufig den Sommer bei den reichen Eltern seiner Frau Doris in meinem Heimatort Vegesack verbrachte, ist schon häufig hier im Blog gewesen. Zum Beispiel in den Posts Klaus Groth und Min Jehan. Mein Opa sprach westfälisches Platt, mein Vater das Platt der schleswig-holsteinischen Westküste. Er liebte Klaus Groth, Fritz Reuter und Theodor Storm. Das habe ich wohl schon in dem Post Theodor Storm geschrieben. Wenn Wochenmarkt auf dem Sedanplatz war, ging mein Vater einkaufen. Er ging sonst nie einkaufen, an den Markttagen immer. Nur weil er dann mit den Bauern auf dem Markt platt snacken konnte.

Ich bin mit der Sprache aufgewachsen, ich höre und lese sie immer gern. Die Sprache wird im Norden auch noch gepflegt, Universitäten bieten Niederdeutsche Philologie an, die örtliche Zeitung offeriert Seiten auf Plattdeutsch. Als ich jung war, habe ich jeden Morgen Hör mal'n beten to im Radio gehört. Das gehörte zum Tagesbeginn dazu, wie die Nebelhörner, die von der Weser her tuteten. Und die Vulkanesen, wie die Arbeiter des Vulkans hießen, mit ihren schweren genagelten Arbeitsstiefeln die Weserstraße entlang zur Arbeit marschierten. Jetzt weiß ich, dass es gleich sieben Uhr sein wird. Das Radio sagt, dass im Hamburger Arbeitsamt in der Admiralitätsstraße noch Schauerleute gesucht werden, jeden Tag. Admiralitätsstraße. Klingt toll, die Wirklichkeit ist nicht so toll. Viele, die in Hamburg hinter den eisernen Gittern aufgereiht in der Schlange stehen, werden keine Arbeit finden. Aber darüber dachte ich damals nicht nach. Jetzt kam im Radio erst einmal Rudolf Kinau mit Hör mal'n beten to. Und dann die Morgenandacht, dann konnte der Tag kommen.

Mein Gedicht für den heutigen Tag ist, passend zum Regen draußen, Klaus Groths Regenleed:

Regen, Regen drus',
Wi sitt hier warm in Hus'!
De Vageln sitt in Bom to kurn,
De Köh de stat an Wall to schurn:
Regen, Regen drus',
Wi sitt hier warm in Hus'!

Regen, Regen rusch,
Wa rükt dat ut den Busch!
De Blöm de hangt so slapri dal,
De Böm de röhrt de Blæd ni mal:
Regen, Regen rusch,
Wa rükt dat ut den Busch!

Regen, Regen sus'
Vun baben op uns Hus,
Vunt Dack hendal in striken Strom
Un lisen ut den Eschenbom:
Regen, Regen sus'
Vun baben op uns Hus.

Regen, Regen rull,
Bet alle Gröben vull!
Denn lat de Wulken æwergan,
Lat de Sünn wedderkam';
Regen, Regen rull,
Bet alle Gröben vull!

Und dann habe ich da noch ein wunderschönes Gedicht von Theodor Storm, das er 1872 für Klaus Groth geschrieben hat:

Wenn't Abend ward,
Un still de Welt, un still dat Hart;
Wenn möd up't Knee di liggt de Hand,
Un ut din Husklock an de Wand
Du hörst den Parpendikelslag,
De nich to Woort keem över Dag;
Wenn't Schummern in de Ecken liggt,
Un buten all de Nachtswulk flüggt;
Wenn denn noch eenmal kiekt de Sünn
Mit golden Schiin to't Finster 'rin,
Un, ehr de Slap kümmt un de Nacht,
Noch eenmal Allens lävt un lacht -
Dat is so wat vör't Minschenhart,
Wenn't Abend ward.

Und zum Schluss habe ich noch ein kleines Schmankerl für die Liebhaber des Niederdeutschen. Nämlich Rudyard Kiplings berühmtes Gedicht Mandalay auf Plattdeutsch.


Montag, 23. April 2018

fliegende Tauben


Ich wollte bei ebay auf dieses Hemd von der italienischen Firma Guy Rover bieten, verpasste aber die Auktion. Weil ich unbedingt etwas schreiben musste und nicht auf den Termin geachtet hatte. Ich fragte die Verkäuferin, ob es eine Möglichkeit zum Sofortkauf gäbe. Sie bejahte. Wenig später bekamen wir eine Abmahnung von ebay, weil man offenbar keine privaten Deals machen darf. Meine Verkäuferin ging zur Geheimsprache über. Als sie mein Geld auf dem Konto hatte, schrieb sie: Der Adler ist gelandet, die Taube fliegt. Die blau-weiße Taube landete dann auch sicher bei mir, ich überlege, ob ich dem Hemd den Namen Taube geben sollte. Oder Wings of the Dove, wie bei Henry James.

Als Kelly in den siebziger Jahren seinen Laden aufmachte, hatte er an Hemdenfirmen Guy Rover, Truzzi und Orian. Später kam noch Luigi Borrelli hinzu. Die Firma Guy Rover war damals ganz neu auf dem Markt. Ich schwöre auf alte Guy Rover und Orian Hemden (trage aber ansonsten auch Fray, Pegaso, R. Böll und Dantendorfer), und wenn so etwas bei ebay auftaucht, bin ich sofort dabei. Man kauft sich ein Stück Vergangenheit zurück. Ich habe noch Hemden im Schrank, die ich vor vierzig Jahren gekauft habe, ich bin Nostalgiker, wenn man die gut pflegt, halten sie ewig.

Die Taube, die ein Etikett von Guy Rover und Uli Knecht hat (der am Anfang ja nur Spitzenfirmen führte), war ein Vintage Modell. Aber ungetragen. Das Hemd hat alles, was ein italienisches Spitzenhemd haben muss: angepasster Musterverlauf, dicke Knöppe und das kleine Dreieck unten in der Naht. Und dann noch das i-Tüpfelchen: das Knopfloch am Ärmel ist horizontal eingesetzt. Wenn Sie nicht wissen, was das bedeutet, dann sollten Sie mal eben den Post Handschuhknopf lesen.

Ich habe auch ein Gedicht für das Hemd. Als ich 2010 ein Vierteljahr im Netz war, gab es hier einen Post, der Oberhemden hieß. Natürlich mit einem Gedicht versehen, weil dies mein erster Poetry Month war. Das Gedicht war von der amerikanischen Dichterin Jane Kenyon, es hieß The Shirt:

The shirt touches his neck
and smoothes over his back.
It slides down his sides,
it even goes down below his belt -
down in his pants.
Lucky shirt.

Mein Gedicht heute heißt schlicht Das Hemd, es findet sich in Ernesto Cansados kleinem Buch Gedichte Gedanken Rezepte: Für´s Leben und den Herd:

Du wolltest mich am Abend besuchen
Es war wie immer.

Ich duschte die Last des Tages aus meinen Poren
Es war wie immer.

Ich zog ein frisches Hemd an
Es war wie immer.

Du küsstest mich freundschaftlich flüchtig
Es war wie immer.

Wir aßen und tranken und redeten
Es war wie immer.

Wir küssten uns plötzlich und unerwartet
Mit geöffneten Lippen und voller Leidenschaft
Unsere Seelen berührten ohne Vorwarnung unsere Körper
Und die Körper umschlangen die Seelen
Es war anders als immer.

Mein Hemd nahm Deinen Geruch an
Es ist resistent gegen Schweiß
Resistent gegen mich und Waschmittel und Weichspüler
Das einzige meiner Hemden das jetzt einen Namen trägt
Nichts ist wie immer.

Sonntag, 22. April 2018

The Yellow Rose of Texas


Am 22. April 1836, einen Tag nach der Schlacht von San Jacinto (die schon in den Posts ↝Donald Trump und ↝Alamo erwähnt wird) haben die texanischen Freiheitskämpfer den mexikanischen General Antonio López de Santa Anna gefangen genommen. Und ihn gezwungen, die Unabhängigkeit der Republik Texas anzuerkennen. Das Photo hier ist aus der 10-teiligen Serie ↝Texas Rising, es zeigt den General Santa Anna und die schöne Emily D. West (die manchmal auch Emily Morgan genannt wird).

Sie ist eine Farbige, die in dem Lied The Yellow Rose of Texas als yellow bezeichnet wird, weil sie einen weißen Vater hat. Es hat sie wirklich gegeben, dies hier ist ihre Unterschrift. Sie können ↝hier mehr zu ihr lesen. Ob es aber wahr ist, dass der General Santa Anna die Schlacht von San Jacinto trotz tausendfacher Überlegenheit vergeigt hat, weil er mit der yellow rose im Bett lag, das ist eine andere Geschichte.

Seit dem Jahr 1836 gibt es das Lied The Yellow Rose of Texas:

There's a yellow rose in Texas
That I am a going to see
No other darky knows her
No one only me 

She cryed so when I left her
It like to broke my heart
And if I ever find her
We nevermore will part.

She's the sweetest rose of color
This darky every knew
Her eyes are bright as diamonds
They sparkle like the dew 

You may talk about dearest May
And sing of Rosa Lee
But the yellow rose of Texas
Beats the belles of Tennessee.

Das ist natürlich nicht politically correct, die darkies darf es nicht mehr geben. Auch in ↝Stephen Fosters ↝My Old Kentucky Home, der Nationalhymne von Kentucky, sind die darkies verschwunden. Im amerikanischen Bürgerkrieg ist The Yellow Rose of Texas mit veränderten ↝Texten gesungen. Die Melodie blieb, die Texte änderten sich. Als ↝Elvis das Lied sang, sah es schon ganz anders aus:

Oh the yellow rose of Texas is the only girl I love
Her eyes are even bluer than Texas skies above
Her heart’s as big as Texas and wherever I may go
I’ll remember her forever because I love her so.

There are so many roses that bloom along the way
But my heart’s in Amarillo and that’s where it will stay
With the yellow rose of Texas so I’d better get there fast
‘Cause I know I was her first love and I want to be her last.


Noch mehr Elvis in diesem Blog: ElvisElvis has left the building!, Ann-Margret, mehr Jazz?, Amazing Grace, Black Watch, Aurora, Sommermode, Ingeburg Thomsen, Elgin Automatic, Steuerschulden, Viva Zapata!, Nina van Pallandt, Gary Glitter, Stromlinie, Method Acting, Wildlederschuhe, Grand Old Opry, Charlie Parker spielt La Paloma, Bremerhaven

Samstag, 21. April 2018

Alltagslyrik: Hans-Ulrich Treichel


Meinen ersten Gedichtband von Hans-Urich Treichel (Der einzige Gast) fand ich bei Eschi im ↝Antiquariat. Ein schmaler grüner Suhrkamp Band, der aus der Bibliothek von Hans-Jürgen Heise stammte. Eschi hat einen großen Teil der Bibliothek gekauft. Das steht schon in dem Post zu ↝Sabine Techel, der vor einem Jahr hier ein richtiger Renner war. Hans-Jürgen Heise hat in den Gedichtbänden, die ihm meistens von den Autoren oder ihren Verlagen zugeschickt wurden, Gedichte, die er bemerkenswert fand, mit kleinen Kreuzen versehen. Die Gedichte mit den Kreuzchen lese ich immer zuerst, stimme aber nicht immer mit Heise überein.

Wenn die Dichter über Nord- und Ostsee, Meer und Strand schreiben, kriegen sie bei dem Kieler Hans-Jürgen Heise immer schon mal einen Sympathiepunkt. Zlatko Krasni hat in einem hübschen Gedicht Heise und die Ostsee miteinander verbunden. Das Gedicht finden Sie ↝hier, wenn Sie sich durch die Uhrenarmbänder gescrollt haben. Heise gefiel Treichels Gedicht Inselmuseum:

Schiffsuntergänge, prächtig
umwölkt, blaue Wale im Abendlicht, 
Eisschollen, darauf zwei träumende 
Bären, und im salzharten Bordbuch 
die zerflossenen Worte: Wetter 
gut. Sicht gut. Aus

Ist nett mit den blauen Walen im Abendlicht, ein klein wenig bemüht und konstruiert. Ich stelle dem Inselmuseum mal eben ein Gedicht mit dem Titel Bootsschuppen gegenüber:

Blechteller mit Pastetenkrümeln sauberster
Gegenstand an diesem Ort, 
Fliegen überall, Hundehaare im Fett, 
rosa schimmert die Haut durch die kahlen Stellen im Fell. 
Über ausgenommenen Makrelen grinst der Bootsverleiher - 
unverändert nach zehn Jahren. 
Wenn du die Küche übernimmst, 
kannst du bleiben

Das bleibt kleben. Wir können nicht anders, wir behalten es im Gedächtnis. Das Gedicht (auch mit dem Heiseschen Kreuzchen versehen) findet sich in Ralf Theniors Gedichtband (der auch Kurzprosa enthält) ↝Traurige Hurras. 1974 hatte die Zeitschrift Literarische Hefte ↝F. C. Delius und Ralf Thenior ihren Jahrespreis verliehen: Seine Stärke — und wir kennen zur Zeit niemand, der das so perfekt kann — sind kleine Prosa-Miniaturen, in denen sich eine ganz eigene, originelle Wahrnehmung von Vorgängen und Situationen ausdrückt, sie überraschen den Leser mit einem lautlosen Knall. So wäre einem das selbst nie aufgefallen, was Thenior da wie selbstverständlich vorführt. — Aber seine Darstellung macht auch unvermutete Vorfälle, Vorstellungen, Wendungen plausibel und reizvoll. Wenn hier von Prosa-Miniaturen die Rede ist, so sind das eigentlich Gedichte. Sagt auf jeden Fall Helmut Heißenbüttel im Nachwort zu Traurige Hurras. Und aus dem Band zitiere ich noch ein Gedicht, das Die Fastfrau heißt. Bekommt bei Heise mehrere Kreuze:

Wenn sie
um die Ecke kommt
mit ihren 14 Jahren
und dem rosa Pullover
etwas schmuddelig
an den Brüsten
hat schon ne Handvoll
sagen die Jungs
wenn sie
um die Ecke kommt
mit der Kaugummiblase
vor dem Mund
PLOPP

Doch zurück zu Hans-Urich Treichel. Bei Suhrkamp schreiben sie für seine Bücher tolle ↝Klappentexte und Waschzettel: Geschult an Heine, Brecht und Benn, spielt Treichel, wie ein Kritiker bemerkte, »virtuos mit Assoziationen und Binnenreim und erreicht ein Höchstmaß an pointierter Schlichtheit, Kunstfertigkeit und Musikalität«, heißt es da. Und seine Gedichte sind lesbar, verwendbar und nachprüfbar. Das prüfen wir doch mal an dem Gedicht Benn nach:

In so vielen Formen zu Hause 
In so vielen Lagen vakant 
Meist Bier und gelegentlich Brause 
Und immer bei klarem Verstand 

Mit allen Wassern gewaschen 
Von mancher Säure geätzt 
Und für die Damen Rosen 
Ein Dutzend grob geschätzt 

Äonische Zeiten beschworen 
Der Rest war Serologie 
Selten die Fassung verloren 
Grundsatz: Einsamer nie

Nett. So etwas konnte man vor Jahrzehnten in Pardon lesen. Ist das große Dichtung? Wir stellen dem mal eben etwas Alltagslyrik von Gottfried Benn (mit herzlichem Dank an JB) gegenüber:

Hör zu, so wird der letzte Abend sein,
wo du noch ausgehen kannst:du rauchst die “Juno“,
“Würzburger Hofbräu“ drei, und liest die UNO,
wie sie der 'Spiegel' sieht, du sitzt allein

an kleinem Tisch, an abgeschlossenem Rund
dicht an der Heizung, denn du liebst das Warme.
Um dich das Menschentum und sein Gebarme,
das Ehepaar und der verhasste Hund.

Mehr bist Du nicht, kein Haus, kein Hügel dein,
zu träumen dich in sonniges Gelände,
dich schlossen immer ziemlich enge Wände
von der Geburt bis diesen Abend ein.

Mehr warst du nicht, doch Zeus und alle Macht,
das All, die großen Geister, alle Sonnen
sind auch für dich geschehn, durch dich geronnen,
mehr warst du nicht, beendet wie begonnen -
der letzte Abend - gute Nacht.


Ich komme ganz schnell durch Treichels ↝Gedichtbände, ich klebe selten fest. Er ist kein ↝Uli Becker, auch wenn er manchmal so klingt. Ein ↝Rolf-Dieter Brinkmann ist er auch nicht. Aber es gibt auch gute Sachen wie dieses kleine Liebesgedicht:

Noch ist alles möglich.
Wir haben uns flüchtig gestreift.
Der Rest: wahrscheinlich tödlich.
Die Kunst: Das man es begreift.

Wir sollten es dabei belassen.
Ein Hauch ist fast wie ein Kuss.
Sich lieben heißt auch sich verpassen.
Auf andere Art. Und Schluß.

Das letzte Gedicht in Treichels Gedichtband ↝Südraum Leipzig (für den er in der Süddeutschen und hier harsche Kritik einstecken musste) hat den Titel Schreiben Sie eigentlich noch Gedichte? Ich zitiere es einmal hier zum Schluss:

Wenn mir was einfällt
Wenn mir was hinfällt
Im Dunkeln
Wenn ich allein bin
Wenn ich sehr allein bin
Für die Katze
Auf Reisen wenn ich Heimweh habe
Zu Hause wenn ich Heimweh habe
Aus Spaß an der Freud
Nur für meine Mutter
Nur gegen meine Mutter
Um Himmels willen
Nur wenn ich will
Nur wenn es sein muß
Sonst nie

Donnerstag, 19. April 2018

Nachdichtung


Am 19. April 1824 ist Lord Byron gestorben. Der Dichter ist in diesem Blog ein häufiger Gast gewesen, ich liste die Posts einmal unten auf. Ich habe in meinem Studium eine viersemestrige Romantik Vorlesung gehört, über Keats, Shelley, Byron, the rest of the guys in the band? wie Sergeant Hathaway in der ↝Lewis Folge ↝And the Moonbeams Kiss the Sea so schön sagt. Lord Byron kam in der Vorlesung so gut wie nicht vor. Wahrscheinlich hatte der ↝Professor Angst vor ihm. Oder der Assistent, der ihm die Vorlesung schrieb (und den er an Kollegen zum Rasenmähen auslieh), hatte Byron schlicht vergessen. Ich vergesse unseren Lord natürlich nicht und habe heute ein Gedicht, das den Titel Abschied von England vor seiner Reise nach Lissabon hat:

Leb wohl! leb wohl! im blauen Meer
Verbleicht die Heimat dort.
Der Nachtwind seufzt, wir rudern schwer,
Scheu fliegt die Möwe fort.

Wir segeln jener Sonne zu,
Die untertaucht mit Pracht.
Leb wohl, du schöne Sonn, und du,
Mein Vaterland - gut Nacht!

Mit dir, mein Schiff, durchsegl ich frei
Das wilde Meergebraus.
Frag nicht, nach welchem Land es sei,
Nur trag mich nicht nach Haus!

Seid mir willkommen, Meer und Luft!
Und ist die Fahrt vollbracht,
Seid mir willkommen, Wald und Kluft!
Mein Vaterland - gut Nacht!

Der Übersetzer ist kein Geringerr als ↝Heinrich Heine, ein Dichter, der Byron verehrt hat: Während ich dieses schreibe erfahre ich daß mein Vetter, Lord Byron, zu Missolungi gestorben ist. So hat dieses große Herz aufgehört zu schlagen! Es war groß und ein Herz, kein kleines Eyerstöckchen von Gefühlen. Ja dieser Mann war groß, er hat im Schmerze neue Welten entdeckt, er hat den miserabelen Menschen und ihren noch miserableren Göttern prometheisch getrozt, der Ruhm seines Namens drang bis zu den Eisbergen Thules und bis in die brennenden Sandwüsten des Morgenlandes. take him all in all, he was a man. Wir werden sobald nicht mehr seines Gleichen sehen. Sie können mehr dazu in dem Post ↝Byron lesen. Allerdings findet sich bei Byron kein vierstrophisches Gedicht, das vom Abschied von England handelt. Woher hat Heine das?

Man muss da schon ein wenig suchen, und ein Puzzle zusammensetzen. Die Jenaische Allgemeine Literatur-Zeitung vom Jahre 1818 veröffentlichte ein Gedicht von Byron, das zehn Strophen hatte und mit folgenden Sätzen eingeleitet wurde: Unser Reisender – also nicht Held – an idle traveller würde ihn Yorik nennen – geht zu Schiffe. Die Sonne steigt nieder und er singt dem Vaterlande sein Abschiedslied, ein liebliches im ächt romantischen Tone gehaltenes Lied. Diese zehn Strophen waren nichts anderes als der Anfang von Byrons Childe ↝Harold's Pilgrimage. Heinrich Heine macht jetzt - frech oder genial - nichts anderes, als sich zwei Strophen herauszupicken und den Rest wegzulassen, ich habe diese beiden Strophen blau eingefärbt:

Adieu, adieu! my native shore
Fades o’er the waters blue;
The night-winds sigh, the breakers roar,
And shrieks the wild sea-mew.
Yon sun that sets upon the sea
We follow in his flight;
Farewell awhile to him and thee,
My Native Land—Good Night!

A few short hours, and he will rise
To give the morrow birth;
And I shall hail the main and skies,
But not my mother earth.
Deserted is my own good hall,
Its hearth is desolate;
Wild weeds are gathering on the wall,
My dog howls at the gate.

‘Come hither, hither, my little page:
Why dost thou weep and wail?
Or dost thou dread the billow’s rage,
Or tremble at the gale?
But dash the tear-drop from thine eye,
Our ship is swift and strong;
Our fleetest falcon scarce can fly
More merrily along.’

‘Let winds be shrill, let waves roll high,
I fear not wave nor wind;
Yet marvel not, Sir Childe, that I
Am sorrowful in mind;
For I have from my father gone,
A mother whom I love,
And have no friend, save these alone,
But thee—and One above.

‘My father blessed me fervently,
Yet did not much complain;
But sorely will my mother sigh
Till I come back again.’—
‘Enough, enough, my little lad!
Such tears become thine eye;
If I thy guileless bosom had,
Mine own would not be dry.

‘Come hither, hither, my staunch yeoman,
Why dost thou look so pale?
Or dost thou dread a French foeman,
Or shiver at the gale?’—
‘Deem’st thou I tremble for my life?
Sir Childe, I’m not so weak;
But thinking on an absent wife
Will blanch a faithful cheek.

‘My spouse and boys dwell near thy hall,
Along the bordering lake;
And when they on their father call,
What answer shall she make?’—
‘Enough, enough, my yeoman good,
Thy grief let none gainsay;
But I, who am of lighter mood,
Will laugh to flee away.’

For who would trust the seeming sighs
Of wife or paramour?
Fresh feeres will dry the bright blue eyes
We late saw streaming o’er.
For pleasures past I do not grieve,
Nor perils gathering near;
My greatest grief is that I leave
No thing that claims a tear.

And now I’m in the world alone,
Upon the wide, wide sea;
But why should I for others groan,
When none will sigh for me?
Perchance my dog will whine in vain
Till fed by stranger hands;
But long ere I come back again
He’d tear me where he stands.

With thee, my bark, I’ll swiftly go
Athwart the foaming brine;
Nor care what land thou bear’st me to,
So not again to mine.
Welcome, welcome, ye dark blue waves!
And when you fail my sight,
Welcome, ye deserts, and ye caves!
My Native Land—Good Night!

Aus alt mach neu, wir lassen den größten Teil weg, aber auch diese beiden Strophen, die Heine übersetzt sind ein Stück Literatur.

Noch mehr Lord Byron finden Sie hier: Lord Byron, Byron, Lord Byrons Schuhe, Lord Byron, DrachenfelsDraculaElba, Luxuskutschen, Hellas, hélas, Griechen, Wilhelm Müller, Griechen-Müller, Volkslieder, Thomas Moore, Dante Gabriel Rossetti, Dracula, Touristen, Vulkane, Cricket, William Hazlitt, Lord John Russell, Frederic Raphael, Henry Kirk White, Rahel, Horace Walpole, Thomas Chatterton, Schmutzige Lyrik, Papierkragen, Landleben, Sigrid Combüchen, Waterloo, das Jahr ohne Sommer

Ich bekam gerade als eine Art Kommentar dieses ↝BBC Video geschickt, in dem Philomena Cunk von einem romantischen Dichter namens Ron redet. Man muss das Gedicht des Professors, den sie interviewt, gesehen haben. Die Szene ist gleich am Angang.

Mittwoch, 18. April 2018

verweht


There was a land of Cavaliers and Cotton Fields called the Old South... Here in this pretty world Gallantry took its last bow... Here was the last ever to be seen of Knights and their Ladies Fair, of Master and Slave... Look for it only in books, for it is no more than a dream remembered. A Civilization gone with the wind... Schöne Worte, pathetisch serviert, der Southern Myth in der Kurzfassung. Das ist der Anfang des Filmes ↝Gone With the Wind. Heute vor 54 Jahren starb Ben Hecht, den man den Shakespeare von Hollywood genannt hat, die Sache mit den cotton fields und cavaliers verdanken wir ihm. Sie könnten auch in Büchern wie When Knighthood was in Flower (ein Bestseller im Süden) und ähnlichen Werken stehen. Margaret Mitchell hatte für ihren Roman alternative Titel, ↝Tomorrow Is Another Day war einer davon.

Was Tara still standing? Or was Tara also gone with the wind which had swept through Georgia? steht im Roman, das Gone with the Wind steht nur im Titel. Das hat sie bei dem Engländer Ernest Dowson gefunden. In einem Gedicht, das den Titel ↝Non sum qualis eram bonae sub regno Cynarae hat. Ein Liebesgedicht, wo es in der dritten Strophe heißt I have forgot much, Cynara! gone with the wind. Das war es, was Margaret Mitchell anzog: It was the far away, faintly sad sound I wanted. Ernest Dowsons große Liebe ist elf Jahre alt, eine kleine Tresenschlampe. Er ist dreiundzwanzig, sechs Jahre wird er sie umwerben. Sie wird einen anderen nehmen. Er verfällt dem Alkohol, natürlich ↝Absinth, dem Modegetränk der decadence. Und schreibt wunderbar traurige, melancholische Liebesgedichte: I cried for madder music and for stronger wine, But when the feast is finished and the lamps expire, Then falls thy shadow, Cynara! the night is thine.

Das Gedicht des heutige Tages hat wieder einen lateinischen Titel, schließlich war der Dichter mal in Oxford. Da kann man dann schon Horaz mit Vitae summa brevis spem nos vetat incohare longam zitieren:

They are not long, the weeping and the laughter,
Love and desire and hate;
I think they have no portion in us after
We pass the gate.

They are not long, the days of wine and roses,
Out of a misty dream
Our path emerges for a while, then closes
Within a dream.